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Kommunale Klinikvernetzung im Kreis Groß-Gerau

Vier Klinikträger beabsichtigen Kooperation mit Kreisklinik Groß-Gerau - dazu haben der Landkreis Groß-Gerau, das Klinikum Darmstadt, das Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim und die Vitos GmbH einen Letter of Intent unterschrieben. Das medizinische Konzept soll bis Ende März 2016 stehen, das wirtschaftliche bis Ende September 2016.

Die Kreisklinik Groß-Gerau soll ihr medizinisches Leistungsangebot in der Inneren Medizin und Chirurgie inklusive der Notfallversorgung ausbauen, Psychiatrie und Somatik vernetzen und zu einem Zentrum für Altersmedizin entwickelt werden. Darauf haben sich das GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim, die Klinikum Darmstadt GmbH und das Vitos Klinikum Riedstadt mit der Kreisklinik Groß-Gerau GmbH verständigt. Im Groß-Gerauer Landratsamt wurde heute eine entsprechende gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet.

„Damit erhielte unsere Klinik ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“, betonte Landrat Thomas Will. Zudem reagiere der Kreis mit dem Ausbau des Angebots auf Anforderungen durch den demografischen Wandel. „Es ist gut, dass die Lebenserwartung immer weiter steigt. Dadurch brauchen aber vor allem immer mehr ältere Menschen eine wohnortnahe ganzheitliche medizinische Versorgung“, sagte der Landrat.

„Vitos möchte am Standort Groß-Gerau psychiatrische und psychosomatische Kapazitäten aufbauen“, so Reinhard Belling, Geschäftsführer Vitos GmbH. „Vitos ist die wohnortnahe psychiatrische Versorgung seiner Patienten wichtig. Das zusätzliche gerontopsychiatrische Angebot wäre ein erster sinnvoller Schritt. Die Verzahnung weiterer psychiatrischer Disziplinen mit dem somatischen Angebot in Groß-Gerau sollte das medizinische Gesamtkonzept berücksichtigen“.

Für Achim Neyer ist das geplante Zentrum „ein Modellprojekt mit Leuchtturmcharakter“, welches eine Chance birgt, den Standort langfristig inhaltlich tragfähig zu gestalten - dies auch unter den engen finanziellen Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens. Rüsselsheims Bürgermeister Dennis Grieser stellt fest, „dass die Stadt Rüsselsheim bereits heute mittels des GPR Klinikums, aber auch über die Medizinischen Versorgungszentren in Nauheim, Raunheim und zukünftig auch in Mörfelden-Walldorf sowie im Bereich der ambulanten Pflege bereits Verantwortung für die Gesundheitsversorgung im Kreis trägt und diese, unter Beteiligung des Landes und des Kreises im vorgesehenen Konzept, zukünftig noch umfangreicher möglich sein wird.“

Die beiden Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH, Clemens Maurer und Prof. Steffen Gramminger, weisen darauf hin, dass die Ausrichtung eines Krankenhauses dieser Größenordnung auf einen medizinischen Schwerpunkt und die Verbindung der Kompetenz der Partner einzigartig sei. André Schellenberg, Stadtkämmerer und Klinikdezernent der Wissenschaftsstadt Darmstadt, erläutert: „Wir sehen in dem Verbund von vier kommunalen Häusern eine Vorbildfunktion und einen wichtigen Schritt, um die kommunale Trägerschaft in Groß-Gerau zu erhalten und damit die Trägervielfalt in Hessen zu sichern.“ „Dies ist für uns alle von Vorteil, weil es unsere Marktposition festigt und uns neue Möglichkeiten bei der Patientensteuerung öffnet“, ergänzen Maurer und Prof. Gramminger

Bei der Umsetzung des Vorhabens soll das Land Hessen intensiv beteiligt werden. „Denn unsere gemeinsamen Anstrengungen werden für das Gesundheitswesen in Hessen richtungsweisend sein. Gemeinsam können wir so den Gesundheitsstandort Groß-Gerau erhalten und stärken, denn Altersmedizin ist eine zentrale Zukunftsaufgabe“, sagte Landrat Thomas Will.

Ihre Partnerschaft verstehen die Beteiligten als weit über die Region hinausreichendes gesundheitspolitisches Signal. Mit der Spezialisierung der Kreisklinik will man deren wirtschaftliche Situation schrittweise verbessern. Der Restrukturierungsprozess soll sozial verträglich ablaufen, ein großer Anteil an Arbeitsplätzen erhalten werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll möglichst verzichtet und die bauliche Situation verbessert werden.

Mit der Etablierung eines Zentrums für Altersmedizin will man die medizinische Versorgung in der Region qualitativ deutlich verbessern. Das Zentrum für Altersmedizin soll die erforderliche Diagnostik und Therapie der Alterserkrankungen in enger Zusammenarbeit mit psychiatrischen Angeboten gewährleisten. Ergänzend soll es Angebote im Bereich der Gerontopsychiatrie geben, die Kreisklinik soll sich darüber hinaus auf die Behandlung von Demenz an spezialisieren. Auf dieser Basis sollen nun im Lauf des nächsten Jahres gemeinsame Konzepte für die neue medizinische und wirtschaftliche Ausrichtung der Kreisklinik sowie deren künftige Rechtsform erarbeitet werden. Erklärtes Ziel ist es, eine von kommunalen Zuschüssen unabhängige Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Gleichzeitig gilt es, die bauliche Situation der Kreisklinik entsprechend zu überprüfen und zu planen.

Ihre strategische Partnerschaft stärke nicht nur die regionale Zusammenarbeit, sondern sei zugleich von überregionaler Bedeutung, erklärten Reinhard Belling, Achim Neyer, Clemens Maurer und Steffen Gramminger bei der Unterzeichnung: „Die Ressourcen werden zielgerichtet eingesetzt, da jeder Partner seine besondere Kompetenz in ein Konzept für den Gesundheitsstandort Groß-Gerau einbringt.“ Zudem werde die Attraktivität der Region, insbesondere für ärztliche und pflegerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht. „Wir wollen damit die Stärken und Potenziale kommunaler Trägerschaften aufzeigen und bekennen uns so zu unserer Verantwortung für Patienten, Beschäftigte sowie die Menschen der Region!“ 

Hintergrund

Kreisklinik Groß-Gerau: Die Kreisklinik Groß-Gerau GmbH ist ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung in der Trägerschaft des Kreises Groß-Gerau und verfügt über derzeit 220 Betten und die Fachabteilungen Innere Medizin, Chirurgie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe.Rund 450 Mitarbeiter versorgen ca. 8.200 stationäre und rd. 20.000 ambulante Patienten. Zum Unternehmen gehören darüber hinaus die Facility-Management GmbH des Kreises Groß-Gerau, eine Servicegesellschaft für die Erbringung von Reinigungs-, Logistik- und Pfortendienstleistungen sowie die Beteiligung an einer Krankenpflegeschule mit 60 Ausbildungsplätzen für Gesundheits- und Krankenpflege sowie 15 Ausbildungsplätze für Krankenpflegehilfe, welche gemeinsam mit dem Alicehospital Darmstadt, dem Klinikum Darmstadt und der Kinderklinik Prinzessin Margaret als Bildungszentrum für Gesundheitsberufe – Mathildenhöhe betrieben wird.

Vitos GmbH: Die Vitos GmbH ist die strategische Managementholding von zwölf gemeinnützigen Unternehmen. Alleingesellschafter ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen. Die Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in psychiatrischen, psychosomatischen und forensisch-psychiatrischen Kliniken ist Kernaufgabe des Konzerns. Mit 3.500 Betten/Plätzen ist Vitos in Hessen größter Anbieter für die ambulante, teil- und vollstationäre Behandlung psychisch kranker Menschen. Die Fachkliniken für Neurologie und Orthopädie haben gemeinsam 300 Betten.

9.600 Mitarbeiter erwirtschaften jährlich einen Gesamtertrag von rund 560 Mio. Euro. Sie behandeln 43.000 Patienten stationär bzw. teilstationär und 171.000 Patienten ambulant. Vitos ist in Hessen an 60 Standorten vertreten. In den Vitos Einrichtungen für Menschen mit geistiger bzw. seelischer Behinderung sowie der sozialpädagogischen Jugendhilfe stehen insgesamt 2.300 Plätze bereit.

Vitos Klinikum Riedstadt: Das Vitos Klinikum Riedstadt ist das Kompetenzzentrum in Südhessen für Menschen mit seelischer Erkrankung und Menschen in Lebenskrisen seit der Gründung im Jahr 1535. Das Vitos Philippshospital Riedstadt (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) bietet 189 stationäre Betten, Tageskliniken mit 69 Plätzen und Ambulanzen. Die Vitos Klinik Hofheim (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie) betreibt 85 stationäre Betten, Tageskliniken mit 51 Plätzen und Ambulanzen. 

GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim gemeinnützige GmbH: Das GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim (GPR) vereint unter seinem Dach das GPR Klinikum, die GPR Seniorenresidenz  „Haus am Ostpark“, das GPR Ambulante Pflegeteam, die GPR Sozialstation Mainz-Oppenheim, das GPR Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) mit den drei Standorten Rüsselsheim, Nauheim und Raunheim sowie die GPR Service GmbH.

Das GPR Klinikum ist ein leistungsfähiges, zukunftsorientiertes Krankenhaus der Schwerpunktversorgung, das nach der „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen“ (KTQ) für seine Qualität zertifiziert ist. Im Vordergrund stehen die Erwartungen und Ansprüche der Patientinnen und Patienten aus Rüsselsheim sowie der Umgebung. Hierfür stehen 577 vollstationäre Betten und fünf teilstationäre Hämodialyse-Plätze bereit. Dreizehn medizinische Kliniken und zwei Institute, eine Klinikapotheke sowie diverse Ambulanzen bieten bei gesundheitlichen Problemen ihre Hilfe an.

Im GPR Klinikum werden jährlich über 26.500 Patientinnen und Patienten stationär und über 76.500 ambulant behandelt.

Klinikum Darmstadt GmbH: Das Klinikum Darmstadt ist das kommunale Krankenhaus der Maximalversorgung in Südhessen. Im Jahr 2014 haben 36.345 Patientinnen und Patienten stationär und 100.734 Patientinnen und Patienten ambulant dem Haus ihr Vertrauen geschenkt. Mit seinen 21 Kliniken und Instituten – darunter der Kinderklinik Prinzessin Margaret – bieten die 2.637 Beschäftigten maximalen Einsatz für die Gesundheit: Die ZentraleNotaufnahme ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet und interdisziplinär besetzt.

Bei speziellen diagnostischen und therapeutischen Verfahren hat das Klinikum Darmstadt für die Region Alleinstellungsmerkmale: so hat das Klinikum Darmstadt 900.000 Euro in ein neues PET/CT und damit in die verbesserte Krebsdiagnose investiert. Neuroradiologie, Strahlentherapie und die Wiedereröffnung chronischer Herzkranzgefäße sind weitere Leuchttürme des Hauses. Dazu zählen auch spezielle Abteilungen wie Neurointensiv, Neonatologie und Onkologie. Fachübergreifend arbeiten die Ärztinnen und Ärzte in 19 Kompetenzzentren zusammen – so in den Tumorzentren Onkologie, Gynäkologie, Brust und Haut, im Trauma- und Gefäßzentrum, inder Chest Pain Unit und der Stroke Unit, im Perinatalzentrum oder in der Nephrologischen Schwerpunktklinik.

Neu zum Konzern dazugekommen sind das Marienhospital Darmstadt und das St. Rochus Krankenhaus in Dieburg. Die Klinikum Darmstadt GmbH ist damit einer der größten Arbeitgeber im Stadtkonzern.

Das Klinikum Darmstadt ist an seinem Standort an der Grafenstraße derzeit sichtbar in der Veränderung: In zwei Bauabschnitten wird 2017 bis zum Jahreswechsel 2019 ein Zentraler Neubau entstehen. Er wird das optische Erscheinungsbild grundlegend verändern - und wesentlich aufwerten. Der Aufbruch ist aber auch im Inneren zu spüren. Strukturen, Abläufe und Prozesse werden fortlaufend optimiert und dasmedizinische Angebot konsequent ausgebaut: In 2013 und 2014 wurden komplett neue, moderne und höchsten hygienischen Ansprüchen genügende Intensivstationen geschaffen, in denen bis zu 48 Schwerstkranke intensivmedizinisch bestens betreut und behandelt werden; zudem wurde ein eigener Bereich für ambulante Operationen geschaffen.

Im Mai 2014 hat das Klinikum Darmstadt die zweite Rezertifizierung „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen“ (KTQ) erhalten – dieses Zeichen bescheinigt dem Maximalversorgerqualitativ hochwertige Leistungen und Prozesse und bestätigt es auf seinem Weg der Veränderung.