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Gold für Fabian Hambüchen trotz Schulterbeschwerden

Prof. Dr. Michael Wild, Direktor der Chirurgischen Klinik II - Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am Klinikum Darmstadt zur richtigen Therapie bei Schultergelenkschmerzen

Prof. Dr. Michael Wild (re.) und Leitender Oberarzt Dr. Florian Hilsenbeck.

Bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro hat Fabian Hambüchen am gestrigen Dienstag (16.) am Reck die Goldmedaille gewonnen und dies trotz eines Trainingsrückstandes aufgrund starker Schulterschmerzen. Kaum eine Sportart belastet das Schultergelenk so stark wie das Turnen, insbesondere beim Turnen am Reck und an den Ringen – warum das so ist und dass oft ein arthroskopischer Eingriff ein Schultergelenk einfach und erfolgreich wieder stabilisieren kann, erläutert Prof. Dr. Michael Wild, Direktor der Chirurgischen Klinik II - Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am Klinikum Darmstadt:

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Menschen und wird im Gegensatz zu den anderen Gelenken überwiegend muskulär und nicht knöchern geführt bzw. stabilisiert. Dies drückt sich auch im Verhältnis der Größe des Oberarmkopfes zur Schulterpfanne aus, die erheblich kleiner ist. Diese anatomische Besonderheit macht das Schultergelenk besonders anfällig für Verletzungen oder Überlastungssyndrome.

Risiko Instabilität

Dabei ist eine Auskugelung im Schultergelenk, die als Schulterluxation bezeichnet wird, in Folge eines Sturzes auf den nach hinten ausgestreckten Oberarm eine der häufigsten Gelenkverletzungen im Sport überhaupt. Wird eine unfallbedingte Schulterluxation nicht adäquat behandelt, kann eine Instabilität im Schultergelenk verbleiben, die selbst bei alltäglichen Bewegungen des Schultergelenkes zu einer spontanen Schulterluxation führen kann. Mit jeder erneuten Schulterluxation wird das Schultergelenk instabiler und das Risiko eines erneuten Auskugelns steigt. So können diese in extremen Fällen auch spontan im Schlaf auftreten.

Dabei kann bei rechtzeitiger Therapie im Rahmen eines arthroskopischen Eingriffes das Schultergelenk einfach und erfolgreich wieder stabilisiert werden. Problematisch wird die Therapie der Schulterluxation mit zunehmender Zahl an erneut erlittenen Schulterluxationen. Dies erfordert einen erheblich komplexeren Eingriff am Schultergelenk, um dieses wieder zu stabilisieren.

Überlastungssymptome sind häufig

Aber auch Überlastungssymptome des Schultergelenkes, wie sie bei Fabian Hambüchen vorlag, sind ein äußerst häufiges Erkrankungsbild und mit starken Schmerzen verbunden. Die häufigsten Überlastungssyndrome am Schultergelenk sind das sogenannte Engpasssyndrom (Impingementsyndrom) und Sehnenentzündungen.

Das Engpasssyndrom beruht auf einer Einengung unter dem Schulterdach entweder infolge einer Schwellung oder Entzündung eines unter dem Schulterdach liegenden Schleimbeutels. Ausgelöst wird dieses Syndrom häufig durch eine wiederkehrende Überlastung oder durch einen Sturz auf das Schultergelenk. Aufgrund dieses Engpasses kommt es zu einer schmerzbedingten Einschränkung der Schulterbeweglichkeit. Insbesondere das Anheben des Armes nach Vorne oder zur Seite ist dann sehr schmerzhaft.

Aufgrund der zahlreichen Sehnen, die am Schultergelenk ansetzen, sind auch Entzündungen einzelner überlasteter Sehnen ein ernstes Problem für Leistungssportler. Hierbei können je nach Sportart verschiedene Sehnen betroffen sein. Die Rotatorenmanschette und die lange Bizepssehne sind dabei die am Häufigsten betroffenen Sehnen. Gelegentlich kann es im Rahmen der Entzündung auch zu Kalkeinlagerungen in der Rotatorenmanschette kommen, die auch als Kalkschulter bezeichnet wird.

MRT ersetzt keine körperliche Untersuchung

Entscheidend zur Diagnostik ist eine gründliche körperliche Untersuchung, eine MRT-Untersuchung kann hilfreich sein, ersetzt die körperliche Untersuchung aber nicht. Gemeinsam ist allen Überlastungssyndromen, dass die konservative Therapie hier eindeutig im Vordergrund steht und operative Verfahren erst nach Versagen der konservativen Therapie in Frage kommen.

Therapie ist erfolgreich aber langwierig

Die konservative Therapie beinhaltet neben intensiver krankengymnastischer Übungsbehandlung und einer Anpassung des Trainings aber auch Injektionsbehandlungen und das ganze Spektrum der physikalischen Therapie. Auch wenn die Überlastungssyndrome der Schulter in der Regel gutartig sind, ist ihre Therapie langwierig und sind die Schmerzen im Schultergelenk oft sehr stark. Dies gilt übrigens auch für die operative Therapie. Die Therapie von Überlastungssyndromen ist daher häufig nicht nur für den Patienten, sondern auch für den behandelnden Arzt frustrierend und sie erfordert ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient - auch wenn die Prognose im Allgemeinen sehr gut ist. Das Schultergelenk ist halt ein sensibles Gelenk. Umso erstaunlicher und eindrucksvoller ist die Leistung von Fabian Hambüchen.

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