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Der emotionalste Beruf der Welt

Hebammenschülerinnen berichten aus ihrer Ausbildungszeit zum Internationalen Hebammentag am 5. Mai 2019

Franziska Zink (mit einem Pinard in der Hand, mit dem sich die Herztöne hören lassen) und Carina Holstein (rechts) mit Neugeborenen auf der Mutter-Kind-Station der Frauenklinik. Zwischen Ihnen liegt ein Gravidarium, mit dem sich das Geburtsdatum errechnen lässt.

„Bei der Geburt meiner zwei Kinder durfte ich die Erfahrung machen, wie viel die Begleitung einer Hebamme wert ist und wie wichtig diese ist; diese Hilfe und Unterstützung möchte ich werdenden Müttern zurückgeben“, sagt Carina Holstein. Sie ist im ersten Ausbildungsjahr zur Hebamme und seit Oktober 2018 drei Tage in der Woche im Klinikum Darmstadt im Einsatz. Stemmen kann sie die Ausbildung dank ihrer Familie, die sie bei der Kinderbetreuung unterstützt. Franziska Zink, die mit ihr zusammen derzeit Dienst auf der Mutter-Kind-Station hat, erklärt ihre Motivation, diese dreijährige Ausbildung zu machen, so: „Das ist einfach ein sehr schöner Beruf, mit vielen Emotionen, die wir direkt zurückbekommen. Das ist wunderbar“. 

Für beide ist jede Geburt immer wieder ein Wunder. „Jede Geburt ist überwältigend“, sagt Carina Holstein. „Dieser emotionale Moment, in dem die Eltern weinen und alles andere völlig egal ist“, bewege immer wieder, ergänzt Franziska Zink. Hebammen und Entbindungspfleger sind eben immer ganz dicht dran, wenn neues Leben auf die Welt kommt, wenn aus Frauen Mütter und aus Paaren Familien werden. Beide freuen sich schon aufs zweite Lehrjahr, wenn sie Geburten unter der Aufsicht einer erfahrenen Hebamme selbst leiten dürfen. Eine Ausbildung in diesem alten Handwerk machen zu können, schätzen beide sehr. 

Klinikum setzt auf Ausbildung

„Um diesen Beruf nachhaltig zu stärken, bieten wir erstmals acht Hebammenschülerinnen in unserem kommunalen Krankenhaus einen Ausbildungsplatz“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender und Klinikdezernent André Schellenberg. Für ihn ist „das Ausbildungsangebot einmal mehr ein Zeichen dafür, dass die kommunalen Unternehmen Verantwortung übernehmen und in die Ausbildung junger Menschen investieren. Dieser erfolgreiche Kurs, den Nachwuchs selbst auszubilden, auf den setzt das Klinikum Darmstadt seit einigen Jahren kontinuierlich. Dieser Kurs ist mit der Kooperation mit der Carl Remegius Medical School in Frankfurt einen entscheidenden Schritt vorangekommen.“ Zur Kooperation erläutert er: „Diese Kooperation bietet uns die Möglichkeit, jedes Jahr acht angehenden Hebammen im September einen Ausbildungsplatz in der eigenen Geburtsklinik anzubieten. Das heißt, wir werden im nächsten Jahr 24 junge Menschen in diesem wichtigen Beruf ausbilden. Dies zeigt eindrücklich, wie wichtig uns das Thema Hebammen ist und dass wir alle Wege beschreiten, um aktiv gegen den Mangel an Hebammen in Darmstadt und der Region anzugehen.“  

Geschäftsführer Clemens Maurer macht deutlich: „Wir als kommunales Krankenhaus werden mit diesen Ausbildungsplätzen gesellschaftlichen Forderungen gerecht. Es kann aber nicht sein, das die Krankenkassen, die für die Finanzierung der Krankenhäuser und insbesondere auch für die Ausbildung zuständig sind, nicht die volle Höhe der Ausbildungskosten übernehmen wollen. Bisher liegen diese Kosten – die für die Ausbildungsbetriebe pro Ausbildungsplatz und -jahr rund 30.000 Euro betragen – bei uns. Die Finanzierung der Krankenhäuser ist, da sagen wir wahrlich nichts Neues, nicht auskömmlich. Wenn wir jetzt auch bei den Kosten für die schulische Ausbildung im Regen stehen gelassen werden, müssen auch diese Summen aus dem Krankenhausbetrieb zu Lasten anderer Berufsgruppen oder notwendiger Investitionen subventioniert werden“.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat Ende April angekündigt, über einen Runden Tisch die Hebammenversorgung in Hessen verbessern zu wollen. Bei dem für Mitte Mai geplanten Treffen soll es um eine bessere Vergütung der Beschäftigten, mehr Ausbildungsplätze, wohnortnahe Einrichtungen sowie die Einführung eines hessischen Hebammengeldes und einer berufsständischen Vertretung gehen.

Akademisierung für Hebammen

Mit dem „Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung“, dessen Entwurf im März 2019 veröffentlicht wurde, leitet die Bundesregierung die vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung ein. Eine Neuregelung erfordert die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie bis Januar 2020. „Ich stehe hinter dieser Forderung, die der Hebammenverband ja auch wünscht“, sagt Carina Holstein, „aber ich bin froh, dass ich noch die Chance hatte, den Beruf in einer Ausbildung zu lernen, denn ich habe zwar schon eine abgeschlossene Lehre, aber nur einen Realschulabschluss.“

Beide befürchten allerdings, dass dieser Schritt den Hebammenmangel kurzfristig eher ansteigen lässt. 

Die Ausbildung derzeit erfolgt halb theoretisch, halb praktisch: Zwei Wochentage gibt es Schulunterricht in Frankfurt, drei Tage Einsatz auf Station. Dabei steht nicht nur die Mutter-Kind-Station und der Kreißsaal auf dem Programm. Ausbildungsorte im Klinikum sind auch die Schwangerenambulanz, im OP und in der Klinik für Neonatologie (bei den Frühgeborenen), beim Ultraschallscreening im MVZ, sowie drei Monate bei einer freien Hebamme.

Hebammen werden immer gesucht 

„Wir sind hier super gut angekommen bei unser Ausbildung und haben bisher noch gar keine schlechte Erfahrung gemacht“, erzählt Franziska Zink weiter. „Ob auf der Mutter-Kind-Station oder im Kreißsaal, hier sind die Hebammen und Pflegekräfte sehr motiviert, uns alles genau zu zeigen und zu erklären und uns mitzunehmen“, sagt auch Carina Holstein. Privatdozent Dr. med. Sven Ackermann, Direktor der Frauenklinik, ist froh darüber, eigene Hebammen ausbilden zu können. „Die Ausbildung von Hebammenschülerinnen war schon lange unser Ziel, denn dadurch verbessert sich zusätzlich die Betreuung der Gebärenden. Natürlich setzen wir auch darauf, diese Hebammen langfristig für unser Klinikum gewinnen zu können.“

Das Klinikum Darmstadt baut derzeit seine Kreißsaal-Kapazitäten in der Frauenklinik deutlich aus. Mit dem Bezug des Zentralen Neubaus zum Jahreswechsel 2020/21 könnten dann bis zu 3.000 Geburten im Jahr in modernsten Zimmern und Kreißsälen in direkter Anbindung zur Frühgeborenen-Intensivstation – und das alles auf einer Ebene – vom Team der Frauenklinik begleitet werden.

Dafür sucht das Team weitere Verstärkung. Alle Stellenangebote finden sich unter www.karriere.klinikum-darmstadt.de

Internationaler Hebammentag 2019

Der Aktionstag wurde 1990 vom Internationen Hebammenkongress ausgerufen und findet seit 1991 jährlich statt. Das Motto des diesjährigen Hebammentags lautet: „Hebammen verteidigen Frauenrechte“.

Mehr Infos und alle Forderungen des Hebammenverbandes, der sich für die Interessen von fast 20.000 freiberuflichen und in Kliniken arbeitenden Hebammen einsetzt, finden Sie unter: https://www.unsere-hebammen.de/mitmachen/hebammentag-2019/