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Filzstift ade: Bestrahlungen ohne Hautmarkierungen oder Tätowierungspunkte

Klinikum Darmstadt erhält „Markerless Award“ – eine der ersten Kliniken in Deutschland, die alle Tumore markierungslos bestrahlt

Die Strahlenklinik im Klinikum Darmstadt ist deutschlandweit eine der wenigen Kliniken, die alle Tumore markierungslos bestrahlen. Das ist der Firma Vision RT einen Award wert. Bei der Übergabe von links nach rechts: Prof. Dr. Christian Weiß, Prof. Dr. Nawid Khaladj und Firmenvertreter Christopher Rausch.

Die meisten Patienten, die aufgrund einer Krebserkrankungen eine Strahlentherapie in deutschen Krankenhäusern wahrnehmen, kennen das Verfahren so: Nach Abschluss der Bestrahlungsplanung mit einer Computertomografie, die alle 1 bis 3 Millimeter einen computertomografischen Querschnitt durch den Körper erstellt, um die individuelle Anatomie des Tumors zu erhalten, werden Hautmarkierungen oder kleine Tätowierungspunkte am Körper angebracht, die es ermöglichen, im Verlauf der wochenlangen Bestrahlungen auf wenige Millimeter genau den Ort der Bestrahlung korrekt wiederzufinden.

Im Klinikum Darmstadt wird darauf schon seit Monaten komplett verzichtet - und das nicht nur bei einigen Tumorarten, sondern bei allen Bestrahlungen und allen Erkrankungen. Das ist der Firma Vision RT, Hersteller der Echtzeit-Patientenüberwachungssysteme, die das möglich machen und die seit 2017 in der neuen Strahlenklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Weiß installiert sind, die Übergabe eines „Markerless Awards“ wert.

„Die bei uns eingesetzten Patientenüberwachungssysteme geben nicht nur mehr Sicherheit für Patienten und Mitarbeitende, sondern auch mehr Komfort für unsere Patienten. 20.000 Punkte aus reinem Licht zeigen die genaue Bestrahlungsfläche – somit ist der Patient seine Markierung“, erläutert Prof. Dr. Christian Weiß.

Drei stereoskopisch angeordnete Kamerasysteme, erlauben eine Überwachung der Körperoberfläche. Damit kann der Patient schneller und genauer gelagert (d.h. in Bestrahlungsposition gebracht) werden. Auch können Atembewegungen erfasst und durch eine Verbindung zum Linearbeschleuniger die Bestrahlung zum Beispiel nur in einer bestimmten Atemphase frei gegeben werden. Jede unwillkürliche Änderung der Patientenposition wird aufgenommen und die Bestrahlung sofort unterbrochen, falls sich die Position (über zuvor individuell festgelegte Toleranzen hinaus) verändert, erklärt die leitende Medizinphysikerin Diplom-Ingenieurin Kirsten Hierholz. Das gelte zum Beispiel bei jedem tiefen Seufzer, Räuspern oder Huster. Auch zusätzliche Röntgenaufnahmen zur Lagerungskontrolle werden damit wesentlich seltener notwendig.

Zunächst, so berichtet Kirsten Hierholz weiter, wurde der doppelte Boden mit zusätzlichen Hautmarkierungen beibehalten, aber die Einstellung zur Notwendigkeit habe sich mit zunehmender Erfahrung geändert. Der Prozess, auf das Markieren gänzlich zu verzichten, habe ein Jahr gedauert. Vorangetrieben wurde es auch von den Medizinisch Technischen Assistenten unter der Leitung von Andrea Sieben. Früher mussten die Patienten gebeten werden auf ihre Hautmarkierungen zu achten, und konnten sich nur eingeschränkt waschen oder duschen. Alltagsaktivitäten insbesondere mit körperlicher Belastung konnten während der Therapie gar nicht wahrgenommen werden. Dennoch mussten die Markierungen immer wieder mit speziellen Stiften erneuert werden.

Einen weiteren Aspekt bringt Diplom-Physiker Christopher Rausch von der Firma VisionRT ein: „Auf der Haut eingezeichnete Bestrahlungsmarkierungen können für Patienten sehr belastend sein. Diese psychologischen Effekte fallen weg.“

„Die Strahlenklinik am Klinikum Darmstadt hat den kompletten Umstieg auf  das markierungslose Bestrahlen phantastisch umgesetzt und ist für uns ein Pionier. Den Award verleihen wir auch Kliniken, die die markerfreie Oberflächenüberwachung  nur bei einzelnen Tumoren nutzen. So ist dieser Award fürs Klinikum etwas ganz Besonderes“, betont Christopher Rausch.

„Diese Auszeichnung bestätigt uns, dass wir mit der Ausrichtung unserer Strahlenklinik durch die Kombination modernster Beschleunigertechnik und Echtzeit-Patientenüberwachung den uns anvertrauten Patienten die allerbesten Behandlungsoptionen unter den aktuell höchsten Sicherheitsstandards anbieten können. Dies kommt allen Patientinnen und Patienten unseres von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Onkologischen Zentrums zugute“, sagt der medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Nawid Khaladj, der dem Team für die hervorragende Umsetzung und Anwendung dankt.