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Impfung bei Multipler Sklerose – auch gegen COVID 19?

Gesundheitstipp von Prof. Dr. Rainer Kollmar, Direktor der Klinik für Neurologie und Neurointensivmedizin

Kurz nach Weihnachten wurden die ersten Impfungen gegen SARS-CoV-2 (Corona / COVID-19) durchgeführt. Für Menschen, die aufgrund ihrer Grunderkrankung Medikamente einnehmen müssen, welche das Immunsystem beeinflussen, besteht aktuell hohe Unsicherheit, ob sie sich impfen lassen sollen. 

Ganz grundsätzlich hilft die Impfung gegen COVID-19, dass sich weniger Menschen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren und die Erkrankung an andere weitergeben. Menschen, die an einer Multiplen Sklerose leiden, haben durch Infektionen ein erhöhtes Risiko eines ausgeprägten Krankheitsverlaufs. Dies gilt sehr wahrscheinlich auch, wenn sie – wie häufig notwendig – aufgrund ihrer Multiplen Sklerose mit immunmodulierenden Medikamenten behandelt werden müssen. Andererseits befürchten MS-Patienten, dass Impfungen neue MS-Schübe auslösen. In aller Regel ist das Risiko einer Infektion bei MS aber höher einzuschätzen als das Risiko einer Impfreaktion. MS-Patienten können sich hierfür sehr gut über die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Institutes informieren sowie über das Kompetenznetz Multiple Sklerose. 

Die meisten Impfstoffe lassen sich einteilen in sogenannte Totimpfstoffe oder Lebendimpfstoffe. Im Gegensatz zu Todimpfstoffen enthalten Lebendimpfstoffe geringe Mengen vermehrungsfähiger Krankheitserreger, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung selbst nicht auslösen. Lebendimpfungen sind für MS-Patienten kontraindiziert, wenn sie aufgrund ihrer MS mit bestimmten Medikamenten behandelt werden. Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) positioniert sich hier klar mit der Aussage, dass „die meisten der von der STIKO im Erwachsenenalter und für Ältere empfohlenen Impfungen Totimpfstoffe sind und auch für MS-Betroffene uneingeschränkt empfohlen werden können.“ 

Beim aktuell erhältlichen Corona-Impfstoff der Firma Pfizer/Biontech handelt es sich um einen sogenannten mRNA-Impfstoff. Dieser Impfstoff zeigte in einer großen, vor einigen Tagen veröffentlichten Studie eine äußerst gute Wirksamkeit in der Verhinderung von Infektionen sowie von schweren Covid-Erkrankungen. Nach Aussagen des KKNM ist „ basierend auf den veröffentlichten Studien zu den beiden mRNA-basierten Impfstoffen, für die die Zulassung in der Europäischen Union beantragt worden ist, nicht davon auszugehen, dass potentielle Nebenwirkungen bei MS-Betroffenen gehäuft im Vergleich zu gesunden Menschen auftreten oder dass die Empfehlungen von denen für die Anwendung von Totimpfstoffen bei MS-Betroffenen abweichen werden.“ 

Potentielle Nebenwirkungen der Impfung werden nach der Zulassung erfasst und weiter bewertet. Aus den vorliegenden Studien ist schon bekannt und nicht überraschend, dass die Nebenwirkungen denen anderer Impfungen ähnlich sind und Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Temperaturerhöhung und Schmerzen an der Injektionsstelle beinhalten können. Das KKNMS spricht sich auf Basis der bisher erhältlichen Daten und Überlegungen dafür aus, dass sich MS-Patienten mit den aktuell erhältlichen mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 impfen lassen.