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Thromboseneigung bei Covid-Patienten: Prävention nicht außer Acht lassen

Körperliche Bewegung wirkt sich auch positiv auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung aus: Gesundheitstipp von Dr. Farzin Adili, Direktor der Klinik für Gefäßmedizin – Gefäßchirurgie am Klinikum Darmstadt

PD Dr. med. Farzin Adili - Direktor der Klinik für Gefäßmedizin - Gefäßchirurgie am Klinikum Darmstadt.

Auch wenn eine Covid-19-Erkrankung sich hauptsächlich durch Atemwegssymptome bemerkbar macht, gilt es mittlerweile als gesichert, dass die Infektion vor allem auch das Blutgefäßsystem und die Blutgerinnung trifft. So zeigen Covid-19-Patienten eine aktivierte Blutgerinnung und häufiger auch Entzündungen der Blutgefäßwände. In der Folge kann es zu schwerwiegenden Komplikationen wie Thrombosen, Lungenembolien, Schlaganfällen oder Durchblutungsstörungen in den Armen oder Beinen mit potenziell tödlichem Ausgang kommen. Gefäßspezialisten plädieren dafür, die nicht-medikamentöse Herz-Kreislauf-Prophylaxe während der Pandemie nicht zu vernachlässigen.

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion wurden bereits sehr früh im Verlauf der Pandemie identifiziert: Ein fortgeschrittenes Alter, männliches Geschlecht, Tabakkonsum, Bluthochdruck, Diabetes und starkes Übergewicht. Die gleichen Risikofaktoren gelten auch für Gefäßerkrankungen. Weil sich stationär aufgenommene oder gar intensivmedizinisch betreute Covid-19-Patienten nur sehr eingeschränkt bewegen und damit einen weiteren Risikofaktor für thromboembolische Ereignisse aufweisen, profitieren sie besonders von Maßnahmen der Thromboseprophylaxe oder gerinnungswirksamen Therapie.

In der aktuellen Situation besteht die Gefahr, dass jenseits der notwendigen Diskussion um Corona-Schutzmaßnahmen, Impfungen und weiteren Therapiemöglichkeiten, andere Gesundheitsprobleme aus dem Blick geraten. Die Einschränkung der Mobilität und des sozialen Lebens schützt zwar vor Infektionen, der Bewegungsmangel kann jedoch zugleich das Thromboserisiko steigern.

Auch andere Lebensstilfaktoren, die für das Herz-Kreislauf-Risiko entscheidend sind, werden durch die Lockdown- und Quarantänebedingungen beeinflusst. Je nach beruflicher und sozialer Situation haben viele Menschen im Lockdown, insbesondere während der zurückliegenden Feiertage, zu ungesünderem und üppigerem Essen gegriffen, mehr Alkohol getrunken und ihren Tabakkonsum gesteigert. Auch und gerade in Pandemiezeiten muss daher weiter über die Bedeutung eines gesunden Lebensstils aufgeklärt werden. Dabei können z.B. Schrittzähler oder Fitness-Apps zur Anwendung gelangen, mit denen sich Bewegungs- und Übungsprogramme anleiten oder kontrollieren lassen.

Last but not least, wirkt sich körperliche Bewegung, neben den direkten Gesundheitseffekten, nicht zuletzt auch positiv auf den Verlauf der Corona-Pandemie insgesamt aus: Je besser jeder Einzelne seine kardiovaskuläre Gesundheit im Griff hat, desto geringer ist sein Komplikationsrisiko bei einer Covid-19-Erkrankung.