Standort Darmstadt

Entstehung des Klinikums Darmstadt

Von der Wohlfahrtseinrichtung zum spezialisierten Dienstleistungsuntenehmen

Die Krankenhäuser (früher Hospitäler genannt) haben sich aus den verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen des Mittelalters entwickelt und erst sehr langsam verselbständigt. Über Jahrhunderte waren Krankenhäuser nur für mittellose, hilfsbedürftige Kranke, vor allem für arme, alte Menschen, die sich nicht selbst ernähren konnten, vorgesehen. Wer es sich leisten konnte, der ließ sich früher zu Hause unter Aufsicht eines Arztes gesundpflegen.

Seit dem letzten Jahrhundert hat sich aus dem Hospital der Typ des Krankenhauses entwickelt wie wir ihn heute kennen: Spezialisten, Ärzteteams, ausgebildetes Pflegepersonal behandeln und pflegen Kranke. Viele Krankenhäuser der heutigen Zeit sind "Großbetriebe".


Von Bürgern für Bürger

Mit dem Bau des Darmstädter Krankenhauses - finanziert durch Spenden verschiedener Bürger - wurde 1611 begonnen. Das zweigeschossige Haus schloss sich direkt an das frühere Bessunger Tor an und war neben dem Schützenhaus das einzige Bauwerk außerhalb der Stadtmauern von Darmstadt. Das "Hospital" wurde wahrscheinlich 1612 in Betrieb genommen.

Im Hospital wirkten ein Hospitalmeister, ein Hospitalschulmeister und mehrere Krankenwärter, deren Dienst eine Hospitalordnung regelte. Die Oberaufsicht hatte die fürstliche Armendeputation. Das Darmstädter Hospital bestand an dieser Stelle fast 2oo Jahre lang und hatte eine dreifache Bestimmung: Kranken-, Pfründner- (hilfsbedürftige, arme, alte Menschen) und Armenhaus.

1808 wurde das Hospital in das Armenhaus in der Grafenstraße verlegt, auf das Gelände des heutigen Klinikums. Das Bürgerhospital war im Mittelteil des Hauses - zusammen mit dem Armen- und dem Pfandhaus - untergebracht und hieß "Die Krankenanstalt für arme Darmstädter Bürger, Gewerbsgehilfen und Dienstboten".

1823 wurde das Hospital städtisch. In der Zeit von 1829 bis 1875 wurde es mehrfach erweitert.

1890 beschlossen die Stadtverordneten,das Hospital in "Städtisches Krankenhaus" umzubenennen. In den Folgejahren wurden umfangreiche Um- und Neubauarbeiten vorgenommen.

1912 hatte das Städtische Krankenhaus bereits 500 Betten. Die Anstalt leitete damals ein Ärztlicher Direktor. Den beiden Sekundarärzten für die chirurgische und internistische Station unterstanden 5 Assistenzärzte bzw. Medizinalpraktikanten. Der Krankenhausverwalter hatte einen Sekretär und vier Schreibgehilfen als Mitarbeiter. Das Büro für Aufnahme und Entlassung der Kranken und für den poliklinischen Betrieb war mit einem Bürobeamten und einem Schreibgehilfen besetzt. Neben rund 50 Schwestern des Diakonieverbandes arbeiteten im Krankenhaus sechs Wärterinnen und sechs Wärter, zwölf Hausmädchen und Putzfrauen sowie vier Hausburschen. Wäscherei, Nähstube, Küche, technischer Betrieb und Gärtnerei beschäftigten 29 Personen.

Trotz der widrigsten Platzverhältnisse, welche die Stadtverordneten schon zu Anfang des Jahrhunderts die Verlegung des Krankenhauses diskutieren ließen, sind die Städtischen Kliniken Darmstadt auf demselben Gelände geblieben.

Am 11. September 1944 fielen bei einem Luftangriff 700 Sprengbomben und 286.000 Brandbomben auf Darmstadt. Große Teile der Innenstadt wurden völlig zerstört, darunter auch die "Städtischen Krankenanstalten" ( damalige Bezeichnung ). Sie mussten mit  ihren Abteilungen in z. T. weit auseinander liegende Notunterkünfte ausweichen.

Die Chirurgische Klinik wurde mit 100 Betten im Philippshospital bei Goddelau untergebracht. Die Medizinische Klinik war mit 200 Betten in den Nieder-Ramstädter Heimen untergekommen. Die Infektionsabteilung bezog das rasch umgebaute Gasthaus Einsiedel bei Messel. Leichtkranke und Rekonvaleszenten fanden Unterkunft in einem Erholungsheim in Seeheim. Die Städtische Frauenklinik in der Hermannstraße war ebenfalls zerbombt worden und wurde erst 1947 in dem heutigen Gästehaus der Universität in der Dieburgerstraße wieder eröffnet.

Nach dem Krieg wurde der Wiederaufbau nach und nach vollzogen.

1954 erbaute Otto Bartning mit der Frauenklinik einen seiner Meisterbauten auf dem Gelände des Städtischen Krankenhauses - das heutige Gebäude 2.

1961 erfolgte der Neubau der Chirurgischen Klinik - benannt nach dem Darmstädter Architekten und Oberbaurat Peter Grund (heutiges Gebäude 5). Hinzu kamen Wirtschaftsgebäude, zwei Schwesternwohnheime und weitere Kliniken.

Zudem kam ein weiterer Standort in Darmstadt-Eberstadt hinzu.

2009 wurde das Klinikum Darmstadt in eine GmbH als hundertprozentige städtische Tochter überführt.

2010 wurde der Neubau der Medizinischen Kliniken an der Bleichstraße eingeweiht.