Standort Eberstadt

Entstehung des Klinikums Darmstadt

In der früheren Provinzial-Pflegeanstalt in Eberstadt, 1937 umbenannt in Landes-Alters- und Pflegeheim, wurde ab 1941 ein Lazarett eingerichtet.

„Gegen das Vergessen“: unter dieser Überschrift erinnert eine Gedenktafel an der Eingangspforte in das Gelände des Klinikums Darmstadt in Eberstadt an die unrühmliche Geschichte des Landes-Alten- und Pflegeheims in den Jahren der NS-Zeit. In den Jahren des Rassenwahns wurden dreißig Prozent der Heimpfleglinge unfruchtbar gemacht. Ab 1941 wurden geisteskranke und jüdische Insassen nach Hadamar geschickt und dort in der Gaskammer ermordet: 80 sind namentlich bekannt. Weitere 220 Pfleglinge verschwanden, verschleiert durch viele Verlegungen ist ihre Spur nicht mehr nachzuvollziehen. Aber klar ist, sie sind nie nach Eberstadt zurückgekommen und dem Rassenwahn des Naziregimes zum Opfer gefallen.

Nach Kriegsende war die Anstalt ein Kriegs-Gefangenenlazarett der amerikanischen Armee, das im Februar 1946 aufgelöst wurde. Vom Regierungspräsidenten wurden die Gebäude der Stadt Darmstadt zur Einrichtung eines Krankenhauses überlassen. Mit dem Einzug der Chirurgischen Klinik begann die Geschichte des Teilkrankenhauses Eberstadt.

Der Plan, die Klinik kurz nach Entlassung der letzten Verwundeten von der Notunterkunft im Philippshospital nach Eberstadt zu verlegen, konnte erst ein Jahr später verwirklicht werden. Der Umbau der Räume verzögerte sich durch fehlendes Baumaterial, es gab kaum Facharbeiter, Instrumente und Geräte waren schwer zu beschaffen.

Selbst nach dem Umzug im März 1947 konnte die Klinik mit 188 Betten nicht voll belegt werden, weil nicht ausreichend Heizkohle beschafft werden konnte. Es fehlten Glühbirnen.  Flure und Treppenhäuser blieben unbeleuchtet, in den Krankenzimmern brannten Teelichter. Sechs Krankenträger beförderten die Patienten über die Treppen, weil es keinen Aufzug gab. Das änderte sich erst 1961 mit dem Umzug in den von Peter Grund entworfenen Neubau in der Grafenstraße. 

Die 1946 gegründete Hautklinik wurde in der Eleonoren-Schule in Eberstadt eingerichtet, nachdem das dortige Lazarett aufgelöst worden war. 1949 zog die Hautklinik in den Nordbau des Teilkrankenhauses, in dem sie sich bis heute befindet.

1949 und 1950 wurden die Infektionsabteilung und Rekonvaleszentenabteilung der Medizinischen Klinik vom Teilkrankenhaus Eberstadt in die Grafenstraße verlegt.

1960 gelangte das Areal Eberstadt in den Besitz der Stadt Darmstadt. Durch den Umzug der Chirurgischen Klinik in den Neubau in der Grafenstraße im Spätherbst 1961 wurde der Südbau im Teilkrankenhaus Eberstadt frei. Als dritte Krankenabteilung in Eberstadt wurde 1963 die neu gegründete Angiologische Klinik eröffnet.

Ab 1968 wurde in Darmstadt-Eberstadt die Bautätigkeit neu aufgenommen. In diesem 2. Bauabschnitt entstanden neben den bereits aus dem Jahre 1900 bestehenden Gebäuden:

  • die Betriebsgebäude - 1968
  • die Pforte - 1968
  • die Zentralwäscherei - 1968
  • die Kinderklinik, die bis zu diesem Zeitpunkt in der Grafenstraße untergebracht war - 1975
  • Pavillon Augenklinik - 1978
  • Pavillon HNO-Klinik - 1977

Das Buch zur Geschichte

Ruth Reichardt und Immo Grimm haben im Klinikum Darmstadt am Standort Eberstadt viele Jahre gearbeitet und die Geschichte von der Gründung als Pflegeanstalt bis zum Teilklinikum aufgezeichnet. Auch die düstere Geschichte der Pflegeanstalt in der Nazi-Zeit wird darin erstmals beschrieben.

„Ins Licht gerückt…“ Von der Provinzial-Pflegeanstalt Eberstadt zum Teilklinikum der Stadt Darmstadt, 1903 bis 2013, Justus von Liebig Verlag, 148 Seiten, ISBN 978-3-87390-335-7, Preis: 14,80 Euro.