In der Neuroradiologie können wir neben der Diagnosestellung von Erkrankungen des Nervensystems durch endovaskuläre Kathetereingriffe Gefäßerkrankungen von Kopf, Hals, Gehirn und Rückenmark auch therapieren. Unser erfahrenes Team von Neuroradiolog*innen bietet an modernsten Geräten Therapieverfahren auf höchstem medizinischem Niveau an. Wir arbeiten dabei so schonend wie möglich, und vor allem präzise und patientenzentriert. Im Folgenden stellen wir Ihnen die einzelnen Therapieverfahren ausführlich vor und geben Einblicke in unsere Arbeit, Technik und die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit in unserem Haus.
Angiographische Interventionen
Minimalinvasive Behandlungen: Endovaskuläre Behandlung von Gefäßerkrankungen des Kopfs, Hals, Gehirns und Rückenmarks
Bei einem Aneurysma an einer Arterie im Kopf handelt es sich um eine ballonartige Gefäßausstülpung, die in der Regel an Gefäßaufzweigungen entsteht. Warum Aneurysmen entstehen ist noch nicht geklärt, aber wir wissen, dass es in einigen Familien mehrere Familienmitglieder betroffen sein können, so dass eine genetische Komponente bei der Entstehung vermutet wird. Aneurysmen können platzen und zu einer Hirnblutung, einer sogenannten Subarachnoidalblutung, führen. Eine subarachnoidale Blutung ist eine schwerwiegende Erkrankung und in der Regel mit einer mehrwöchigen intensivmedizinischen Behandlung verbunden. Deshalb sollten Aneurysmen, die zufällig im Kopf gefunden werden z.B. bei einer MRT-Untersuchung, schon frühzeitig behandelt werden. Aneurysmen können im Klinikum Darmstadt endovaskulär behandelt werden. Bei der endovaskulären Behandlung wird in der Regel über die Leistenarterie ein winziger Katheter (ein Mikrokatheter) bis an die Stelle des Aneurysmas vorgeschoben. Dann wird das Aneurysma z.B. mittels Coiling, also durch das Einbringen von Platinspiralen von innen ausgekleidet und damit ausgeschaltet. Man kann auch einen sogenannten Flowdiverter Stent (einen Flussrichtenden Stent) vor das Aneurysma einbringen, der die Durchblutung am Aneurysma vorbeileitet und daraufhin das Aneurysma austrocknet (thrombosiert). Alle Fälle mit einem Aneurysma der Hirnarterien besprechen wir in einer interdisziplinären Konferenz gemeinsam mit den Kollegen*innen der Neurologie und Neurochirurgie. Für jeden Patienten werden die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten mit allen Vor- und Nachteilen diskutiert und die am besten geeignete Therapie für den Patienten gewählt.
Bei der arteriovenösen Fistel (AV-Fistel) kommt es zu einer Kurzschlussverbindung zwischen den Arterien und Venen im Kopf. Meistens handelt es sich dabei um Hirnhautarterien die eine direkte Verbindung zu den großen venösen Leitern entwickeln. Eine Sonderform der AV-Fistel ist die Carotis-Sinus cavernosus Fistel (oder auch CCF- Carotis Cavernosus Fistel). Wenn diese auftritt, kann es zu Abflussstörungen des Auges kommen und ein gerötetes geschwollenes Auge ist häufig die Folge. Außerdem kann ein pulssynchroner Tinnitus auftreten. Wir führen am Klinikum Darmstadt die MRT-Diagnostik und die Katheterangiographie zur Diagnostik und Abklärung einer arteriovenösen Fistel durch. Sollte bei Ihnen eine solche AV-Fistel festgestellt werden, dann kann sie mit einer endovaskulären Intervention bei uns am Klinikum Darmstadt auch behandelt werden. Dabei wird in der Regel über die Leistenarterie ein Katheter bis an die Stelle der Fistel (der Kurzschlussverbindung zwischen Arterie und Vene) vorgeschoben und diese dann verschlossen mittels Coils (winzigen Platinspiralen) oder mittels Klebstoffen. Den Vorgang des Fistelverschluss nennen wir Embolisation. Die weitere Betreuung der betroffenen Patient*innen erfolgt im Klinikum Darmstadt in enger Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen der Neurologie und Neurochirurgie.
Wenn eine Stenose (Engstelle) der venösen Sinusleiter im Kopf vorliegt, kann es zu einem erhöhten intrakraniellen Druck im Kopf kommen. Die Patient*innen klagen dann häufig über Kopfschmerzen, Sehstörungen und / oder einen pulssynchronen Tinnitus. Ein MRT des Schädels mit venöser Gefäßdarstellung zeigt die Engstelle der venösen Sinus und die durch die Drucksteigerung im Schädelinnern bedingten Veränderungen, wie z. B. leere Hypophysenloge (empty Sella), erweiterte Sehnervenscheiden oder vorgewölbte Sehnervenpapille. Man spricht dann von einem „Pseudotumor cerebri“ oder genauer von einer chronischen venösen intrakraniellen Hypertension (CVIHS). Diese Erkrankung können wir durch die Beseitigung der venösen Stenose mit einem Stent und damit verbesserte Drainage des Blutes aus dem Kopf heilen. Weitere Informationen finden Sie hier.
Sollte bei Ihnen eine Stenose, eine Engstelle der Halsschlagader, festgestellt worden sein, können wir diese im Klinikum Darmstadt endovaskulär behandeln. Bei der endovaskulären Behandlung wird durch die Leistenarterie ein Katheter bis an das eingeengte Gefäß vorgeführt. In diesem Gefäß kann dann ein Stent platziert werden und anschließend wird dieser mit einem Ballon aufgedehnt, so dass das Gefäß wieder durchgängig ist und das Gehirn ausreichend mit Blut versorgt wird. Alle Fälle mit einer Engstelle der Halsschlagader besprechen wir interdisziplinär gemeinsam mit den Kollegen*innen der Neurologie und Gefäßchirurgie. Für jeden Patienten wird die am besten geeignete Methode aus dem interdisziplinären Boardbeschluss vorgeschlagen.
80 Prozent der Schlaganfälle entstehen durch einen Verschluss eines hirnversorgenden Gefäßes. Umso länger das Gefäß verschlossen ist, umso länger ist das Gehirn nicht durchblutet und über die Zeit sterben immer mehr Hirnzellen. Bei möglichst früher Einlieferung der Schlaganfallpatient*innen in die Klinik, erst wenige Stunden nach Beginn der Symptome, können wir mit einer Katheterintervention diesen Schlaganfall endovaskulär behandeln. Bei dieser Intervention wird durch die Leistenarterie ein Katheter bis in das verschlossene Hirngefäß vorgeführt, sodass wir das Gerinnsel im Hirngefäß entweder absaugen können oder durch einen sog. Stentretriever in einer Art Maschengeflecht greifen und entfernen. Danach ist das Gehirn wieder durchblutet und die weitere Behandlung erfolgt auf einer spezialisierten Schlaganfallstation im Klinikum Darmstadt.