Dank Schmerzschrittmacher wieder aktiv

Rückenschmerzen und Schmerzmittel haben das Leben von Marion Pankalla mehr als zwanzig Jahre lang dominiert.

Mehrfach wurde sie an der Lendenwirbelsäule operiert, zuletzt im Mai 2014. Seit dieser OP hatte sie noch mehr Schmerzen – vor allem im Bereich der unteren Brustwirbelsäule sowie der gesamten Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in den rechten Oberbauch und den Beinen, vor allem ins linke. Eine ausgedehnte konservative Therapie erbrachte keine Besserung ihrer Beschwerden. Marion Pankalla wurde in der Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Darmstadt vorstellig.

Für Neurochirurg Dr. Frank Bode war sie eine klassische chronische Schmerzpatientin, für die der Einsatz eines Schmerzschrittmachers sinnvoll sein kann. Gemeinsam testeten sie zwei Wochen lang den Effekt einer Rückenmarkstimulation.

Mit großem Erfolg: Am 12. Januar 2015 implantierte er bei Marion Pankalla schließlich das endgültige System. Der Neurostimulator kann ihre Lage erkennen – ob sie sitzt, steht oder liegt – und schaltet automatisch die Dosierung um. „Ich habe das beste High-Tech-Gerät, was es überhaupt gibt“, sagt Pankalla freudestrahlend. „Schon die 14 Tage mit dem Testsystem, waren für mich ein Lichtblick. Nach all den Schmerzen und Einschränkungen. Das Testsystem hat so gut gewirkt, dass ich in einer Woche nur noch zwei Schmerztabletten nehmen musste. Davor habe ich jeden Tag allein drei bis vier Tabletten Novalgin 500 eingenommen. Andere Schmerzmittel kamen oft noch dazu. Aber wirklich beschwerdefrei war ich nie.“

"Ich bin voller Zuversicht"

Schon mit dem Testsystem konnte Marion Pankalla wieder viel besser laufen: „Ich bin nämlich eine, die nicht still sitzen kann“, sagt sie augenzwinkernd. Schon zwei Wochen nach dem Einsatz des endgültigen Schmerzschrittmachers sagte sie: „Ich bin voller Zuversicht, dass der Neurostimulator mir dauerhaft hilft und für weniger Schmerzen sorgt.“

Bei einem Besuch im Frühsommer hat sich das verwirklicht, was sie für sich gehofft hatte: Marion Pankalla ist wieder aktiv unterwegs – zusammen mit ihrem Mann im Garten. Und im angrenzenden Wald unternimmt sie kleinere und auch längere Spaziergänge. Auch mit der Technik und dem Einstellen des Schmerzschrittmachers kommt sie gut zurecht. „Diese Operation hat sich auf jeden Fall gelohnt“, lautet ihr Fazit.

Neuromodulation: Weniger Schmerzen durch Medikamentenpumpen oder Neurostimulation

In Deutschland sind 17 Prozent der Bevölkerung von chronischen Schmerzen betroffen. Tendenz steigend. Die Neuromodulation kann für viele Schmerzpatienten eine Lösung sein. „Wir können bei den Betroffenen zwar nicht die Krankheit heilen, aber wir können unser Bestes tun, um ihnen die Lebensqualität zu erhöhen oder um den Angehörigen die Pflege zu erleichtern“, erläutert Dr. Frank Bode, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Darmstadt.

„Für Patienten mit chronischen Schmerzen bieten wir deshalb die Neuromodulation an. Dies geschieht durch Neurostimulation oder mit Hilfe der Medikamentenpumpen-Therapie.“ Medikamentenpumpen, die vor allem bei Spastik-Patienten oder bei Menschen mit Ganzkörper-Schmerzen eingesetzt werden, werden im Bauchraum implantiert und geben dort bis zu 100-fach geringer dosierte Mengen von Medikamenten direkt ans Rückenmark ab. Mit dem positiven Effekt, dass die geringere Dosis auch deren Nebenwirkungen verringert.

Anders funktioniert die Neuostimulation: Dabei wird ein Stimulationsgerät unter der Haut platziert, dieses sendet über eine dünne Elektrode, die in der Nähe des Rückenmarks implantiert wird, schwache elektrische Impulse an die Rückenmarksnerven. Diese Impulse maskieren die Schmerzsignale im Gehirn, so dass Patienten ein leichtes, angenehmes Kribbeln spüren. Mittels eines externen Geräts kann die Intensität und die Stelle des Kribbelns eingestellt werden. So lassen sich die Schmerzen im Alltag kontrollieren und minimieren. Moderne Hightech-Geräte erkennen sogar die Lage des Patienten und passen die so gewünschte Intensität der Impulse automatisch an. Zwar ist der Schmerz dann nicht weg, weil die Ursache nicht geheilt werden konnte. Aber das Schmerzempfinden wird deutlich verringert. Wenn es sich nur um 50 Prozent verringert, bedeutet dies für die Schmerzpatienten schon eine entscheidende Steigerung ihrer Lebensqualität.

Besserungen bis zu 90 Prozent sind möglich. Und das völlig nebenwirkungsfrei. Die Methode eignet sich auch für Patientinnen und Patienten, die an der Schaufensterkrankheit oder an instabiler Angina Pectoris leiden. Helfen kann sie auch bei Migräne und Clusterkopfschmerzen, bei Nervenschmerzen und bei Gürtelrose.Der Umgang mit dem Schrittmacher wird geübt, die Einstellung des Schmerzschrittmachers lässt sich individuell jederzeit nachjustieren. Ein Akku hält sieben bis neun Jahre. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

Die Methode ist gar nicht so neu: bereits 1967 gab es erste Implantationen von Schmerzschrittmachern. Da in den Anfangszeiten die Infektionsraten enorm hoch waren, geriet diese Methode allerdings in Vergessenheit. Zu Unrecht, wie Dr. Bode betont. Die Infektionsgefahr ist mittlerweile gebannt und die Technik der Schrittmacher selbst wurde ständig weiterentwickelt. Und auch für die Ärzte gibt es Programmier- und Implantationskurse. Er selbst hat bereits in den vergangenen zwei Jahren mehr als 60 Patientinnen und Patienten Schmerzschrittmacher implantiert.

„Zwar klappt die Methode nicht bei jedem, aber 80 bis 90 Prozent der Patienten haben einen deutlich positiven Effekt.“„Viele Patienten berichten davon, dass sie über Jahre starke Schmerzen hatten, die immer schlimmer wurden. Mit Hilfe der Schmerzschrittmacher sind sie endlich wieder in der Lage, aus dem Haus zu gehen. Oder nachts zu schlafen“, weiß Dr. Bode.

"Die letzte Instanz"

Sein Fazit: „Wir sind sehr froh, dass wir unseren Patientinnen und Patienten die Neuromodulation mit den beiden Behandlungsmethoden anbieten können. Schmerzen können so bei vielen chronischen Schmerzpatienten und bei austherapierten Tumorpatienten deutlich gelindert, der Medikamentenverbrauch und die damit verbundenen Nebenwirkungen reduziert und die Alltagsaktivitäten verbessert werden. Wir können mit diesen Behandlungen unseren Patienten insgesamt eine bessere Lebensqualität geben“, sagt Dr. Bode und ergänzt: „Wir sind oft so etwas wie die letzte Instanz. Viele entdecken die Verfahren erst, wenn ihre Ärzte schon alles probiert haben und nichts mehr wirkt. Ich wünsche mir, dass wir Menschen frühzeitiger von ihren starken und oft lebensbeherrschenden Schmerzen befreien können.“

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Dr. Frank Bode
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