Der interessante Fall

Kniegelenk - Endoprothetik

Im Folgenden möchten wir Ihnen einen interessanten Fall aus dem Bereich der Kniegelenk-Endoprothetik vorstellen.

Bei der Patientin war 1990 in einem anderen Krankenhaus aufgrund einer Arthrose ein künstliches Kniegelenk implantiert worden. Leider war es bereits wenige Jahre später zu einer Lockerung des Kniegelenkersatzes gekommen, so dass 1995 ein Wechsel auf eine wesentlich größere Knieprothese mit Verankerung im Oberschenkel- und Schienbeinschaft erforderlich war. Anschließend war die Patientin für mehr als 20 Jahre beschwerdefrei gewesen. 

Anfang 2016 stürzte die nun 83 Jahre alte Patientin auf das linke Knie, wobei sie sich einen Oberschenkelbruch auf Höhe der Knieprothese zuzog. Die Prothese hatte nun keine ausreichende Verankerung mehr und rutschte nach vorne aus dem Oberschenkelknochen heraus.

Ausgebrochene Kniegelenksprothese linkes Knie.

Die Patientin konnte aufgrund des instabilen Kniegelenkes nicht mehr gehen und da der prothesennahe Oberschenkelknochen durch den Bruch schwer geschädigt war, musste der gebrochene Anteil des Oberschenkelknochens zusammen mit der gelockerten Knieprothese komplett entfernt werden. 

Um die Gehfähigkeit der Patientin wiederherzustellen implantierten wir in einer aufwendigen Operation eine spezielle Knieprothese mit metallischem Ersatz des zerstörten Oberschenkelknochens. Der Eingriff verlief ohne Komplikationen. Die Gehfähigkeit und Beweglichkeit der Patientin nahmen rasch wieder zu, so dass wir sie bereits acht Tage nach der Operation in die Rehaklinik entlassen konnten.

Röntgenbild linkes Knie postoperativ

Autor: Dr. med. Moritz Buselmeier

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Notfallmedizin

Der interessante Fall

17-jähriger BMX-Radler: Becken und Hüftgelenk

Im Folgenden möchten wir Ihnen einen interessanten Fall aus dem Bereich der Unfallchirurgie vorstellen.

Der 17 Jahre alte Patient war aus dem Ausland zur Teilnahme an einem BMX-Turnier angereist. Dort war er bei einem Sprung mit dem BMX-Rad gestürzt und hatte sich das linke Hüftgelenk ausgerenkt. Dabei kam es zu einer knöchernen Absprengung am Hüftkopf sowie zu einem Bruch der hinteren Wand der Hüftpfanne.

Röntgenbild des Beckens mit ausgekugeltem linken Hüftgelenk
Vergrößerung des Röntgenbildes der linken Hüfte mit den erlittenen knöchernen Verletzungen

Der Patient wurde am späten Abend mit dem Rettungswagen in unsere Klinik eingeliefert, wo die Hüfte umgehend wieder eingerenkt wurde. Durch die beschädigte Hinterwand war das Hüftgelenk instabil und es bestand die Gefahr einer erneuten Ausrenkung. Am nächsten Morgen erfolgte die Operation der linken Hüfte. Da aus der Hinterwand des Hüftgelenkes ein mehrere Zentimeter großes Stück herausgebrochen war, wurde dieses mit einer Metallplatte wieder befestigt. Das abgesprengte Knochenstück am Hüftkopf wurde mit 2 Schrauben wieder am Hüftkopf fixiert. 

Postoperatives Röntgenbild der linken Hüfte

Die Operation verlief ohne Komplikationen. Der Patient war an Unterarmgehstützen mobil und konnte nach einer Woche stationärer Behandlung in sein Heimatland zurückkehren. Er muss das linke Bein für insgesamt 8 Wochen entlasten und wird  aller Voraussicht nach in einigen Monaten wieder am BMX-Sport teilnehmen können.

Autor: Dr. med. Moritz Buselmeier

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Notfallmedizin

Der interessante Fall

18-Jährige nach Sturz vom Balkon: Wirbelsäulenchirurgie

Im September 2008 verlor die damals 18-jährige Patientin ihr Gleichgewicht und stürzte rücklings beim Rauchen aus einer Höhe von 6 Metern von einem Balkon. Dabei erlitt sie einen Bruch (Fraktur) des zweiten Lendenwirbelkörpers.

Computertomographie (CT) des gebrochenen zweiten Lendenwirbelkörpers am Unfalltag

Auf Grund der Schwere der Verletzung (instabile Fraktur) und eines drohenden Querschnitts wurden bei der jungen Patientin die Wirbelbögen (Laminektomie) entfernt und zur Stabilisierung der Wirbelsäule ein Stangen-Stab-System (Fixateur interne) eingebracht sowie der gebrochene Wirbelkörper mit Zement gefüllt.

Röntgenbefund mit Stab-Stangen-System (Fixateur interne) und Zementfüllung des gebrochenen zweiten Lendenwirbelkörpers (Kyphoplastie)

Im weiteren Verlauf wurde das Stab-Stangen-System im Juni 2009 entfernt und die Behandlung abgeschlossen.

Allerdings traten Anfang 2013 jedoch heftige Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, die zunehmend unerträglich wurden. Selbst bei einfachsten Alltagsaktivitäten hatte die junge Frau unerträgliche Schmerzen, woraughin Sie sich im Mai 2014 in unserer Klinik vorstellte. 

Im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen (klinische Untersuchung, Röntgen und Computertomographie) zeigte sich, dass der damals gebrochene Wirbelkörper weiter eingebrochen war und die darüberliegende Bandscheibe zerstört hatte. Zudem zeigte die Wirbelsäulenachse bereits eine deutliche Fehlstellung.

Röntgenbefund Frühjahr 2014

Es erfolgte daraufhin über einen linkseitigen Flankenschnitt die komplette Entfernung des zerstörten zweiten Wirbelkörpers (Korporektomie) sowie die Einbringung eines künstlichen, expandierbaren Wirbelkörperersatzes aus Titan (Cage). Zudem wurde die Fehlstellung der Wirbelsäule korrigiert und diese zusätzlich mit einer winkelstabilen Platte stabilisiert.

Röntgenbefund nach Einbringung des Wirbelkörperersatzes und einer winkelstabilen Platte im Mai 2014

Der Wirbelkörperersatz wurde mit körpereigenem Knochen (autologer Spongiosa) und synthetischem Knochenersatzmaterial befüllt, um eine sichere knöcherne Heilung zu gewährleisten.

Die OP verlief wie geplant und komplikationslos. Bereits am fünften Tag nach der Operation konnte die Patientin in Begleitung des Krankengymnasten schmerzfrei wieder laufen und die Schmerzen im Bereich des ehemaligen Wirbelkörperbruches waren bereits erheblich geringer als vor der Operation.

Voraussichtlich wird die junge Frau ihren Beruf als Krankenschwester ohne wesentliche Einschränkungen fortführen können und nach ca. 6-9 Monaten sogar sportlich wieder aktiv sein können.

(Autor: Oberarzt Dr. Hilsenbeck)

Der interessante Fall

19-Jähriger mit verdrehtem Kniegelenk

Im November 2013 wurde bei dem damals 19 jährigen Patienten nach einem Verdrehen des Kniegelenkes beim Fußball die Diagnose eines vorderen Kreuzbandrisses (Kreuzbandruptur) gestellt. In einem auswärtigen Haus erfolgte daraufhin der Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit einem Teil der Kniescheibensehne.

Bei einem zunächst unauffälligen Verlauf erlitt der Patienten eine seltene aber typische Komplikation des vorderen Kreuzbandersatzes. In Folge der Sehnenentnahme an der Kniescheibe kam es 6 Wochen nach der Kreuzbandoperation zu einem Ermüdungsbruch der Kniescheibe (Patella), woraufhin sich der Patient in unserer Klinik vorstellte.

Röntgenbild des Kniegelenkes mit deutlich sichtbarem Bruch der Kniescheibe (Patella) und einem erheblichen Auseinanderweichen der Bruchstücke (Fragmente)

Auf Grund des bestehenden Defektes nach Entnahme des Sehnentransplantates im Rahmen der Voroperation wurde der knöcherne Defekt mit einem Knochentransplantat aus dem gleichseitigen Beckenkamm gefüllt und die Kniescheibe mit einer neuartigen winkelstabilen Kniescheibenplatte (Patellaplatte), die vom Direktor der Klinik entwickelt wurde, stabilsiert.

Röntgenbild des Kniegelenkes mit einliegender winkelstabiler Kniescheibenplatte (Patellaplatte)

Hiermit konnte trotz des Defektes und der schwierigen Ausgangssituation die Kniescheibe (Patella) wieder vollständig rekonstruiert werden.

Inzwischen ist der Kniescheibenbruch (Patellafraktur) bei dem Patienten komplikationslos ausgeheilt und der Patient beschwerdefrei.

(Autor: Kai Fischer, Assistenzarzt)

Der interessante Fall

91-jähriger Schwerverletzter: Als Radfahrer vom Auto erfasst

Ein noch sehr aktiver älterer Herr (91 Jahre) wurde auf seinem Fahrrad von einem PKW erfasst und mit dem Notarztwagen in unsere Klinik eingeliefert.

Hier kümmerten sich sofort Ärzte verschiedener Fachabteilungen um die Stabilisierung des Patienten. Im Rahmen der Diagnostik zeigten sich folgende Verletzungen: Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnblutung, eine komplette Beckenringfraktur rechts, eine offene Unterarmfraktur mit Ausrenkung des Speichenkopfes rechts, eine Unteramfraktur links, eine Rippenserienfraktur rechts, eine Sprunggelenksfraktur links und eine offene Unterschenkelfraktur rechts.

Noch am gleichen Tag erfolgte zunächst die operative Versorgung der Frakturen am rechten Unterarm und am rechten Unterschenkel.

Offene Unterschenkelfraktur rechts, vor und nach operativer Versorgung
Offene Unterarmfraktur rechts, vor und nach operativer Versorgung

Nach erfolgter Stabilisierung des Patienten erfolgte im weiteren Verlauf die operative Versorgung der restlichen Frakturen nach einigen Tagen.

Operative Versorgung der Beckenringfraktur mit einer zementaugmentierten Schraube
Patient beim Zeitungslesen auf unserer unfallchirurgischen Station

Hinsichtlich der Hirnblutung standen wir zu jedem Zeitpunkt im engen Kontakt zu unserer neurochirurgischen Abteilung. Erfreulicherweise war hier keine operative Intervention notwendig.

Nach kurzeitigem intensivmedizinischem Aufenthalt konnten der Patient bald auf die unfallchirurgische Normalstation verlegt werden.

Inzwischen geht es dem 91-jährigen Herren wieder richtig gut, so dass er in eine Rehaklinik verlegt werden konnte.

Der Patient wird voraussichtlich 8 Wochen nach dem Unfall nach Ausheilung der Verletzungen mit Hilfe der Physiotherapie wieder laufen können. Eine aktive Teilnahme als Radfahrer am Straßenverkehr ist anschließend wieder möglich.

(Autor: Dr. Twehues, Assistenzarzt der Klinik)

Weitere Informationen

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michael.wild@mail.klinikum-darmstadt.de

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