Handchirurgie

Bis zur Übernahme der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie durch mich im Jahr 2011 gab es in ganz Darmstadt keinen einzigen ausgebildeten Handchirurgen. Somit war die Etablierung einer hochqualitativen Handchirurgie in Darmstadt meine vorrangige Aufgabe und es erfreut mich, dass der Schwerpunkt Handchirurgie am Klinikum Darmstadt einen derartigen Zuspruch erfährt.

Aufgrund dieses Erfolges wurde zum weiteren Ausbau der Handchirurgie Oberarzt Tonn als weiterer Handchirurg eingestellt sowie sukzessive die Mitarbeiter der Klinik auf dem Gebiet der Handchirurgie ausgebildet.

Handchirurgie als eigenständiges Fach

Die Hand ist das wichtigste Werkzeug des Menschen und hat zusammen mit unserem Gehring wesentlich zur Evolution des modernen Menschen beigetragen. Nicht ohne Grund spricht man vom Begreifen um die enge Verbindung zwischen Gehirn und Hand als funktionelle Einheit zu zeigen. Die menschliche Hand weist einen komplexen Aufbau auf, sie kann ihre Umgebung ertasten, feinmotorische Bewegungen vollführen aber auch kraftvoll zupacken. Sie ist ein universelles Werkzeug und jede Beeinträchtigung der Hand ist eine erhebliche Behinderung. Neben diesen funktionellen Aspekten weist die Hand auch ästhetische Aspekte auf, neben dem Gesicht gehört die Hand zu den Körperbereichen auf die wir zuerst blicken.


Aufgrund des häufigen Einsatzes der Hand im Alltag gehört sie zu den am Häufigsten verletzten Strukturen und ihr komplexen anatomischer Aufbau als auch ihre spezielle Funktion erfordert eine hohe Expertise in der Behandlung von Erkrankungen der Hand oder von Verletzungen.


Aus diesem Grund hat sich in der Chirurgie schon sehr früh die Handchirurgie als eigene Zusatzbezeichnung etabliert. Der Erwerb der Zusatzbezeichnung Handchirurgie erfordert eine 3 jährige Zusatzausbildung auf dem Gebiet der Handchirurgie in spezialisierten handchirurgischen Zentren.


Auf den kommenden Seiten möchte ich Ihnen einen Überblick über die häufigsten in unserer Klinik durchgeführten Handeingriffe geben.

Das Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine der häufigsten Erkrankungen der Hand und betrifft überwiegend Frauen im mittleren Alter, aber auch Männer können von einem Karpaltunnelsyndrom betroffen sein. Ein Karpaltunnelsyndrom entsteht immer dann, wenn der Mittelhandnerv, der als Nervus medianus bezeichnet wird, auf Höhe des Handgelenkes beim Übergang vom Unterarm in Hand eingeengt wird. Der Mittelhandnerv (N. medianus) läuft in diesem Bereich zusammen mit den Beugesehnen durch den sogenannten Karpaltunnel.

Dieser Karpaltunnel kann im Rahmen von immer wiederkehrenden Sehnenscheidenentzündungen oder bei Überlastungen durch eine Bindegewebszunahme einengen, meist besteht aber eine angeborene Enge. Nur selten sind Unfälle Ursache eines Karpaltunnelsyndroms, welches dann meist bei körperfernen Speichenbrüchen auftritt. Selten kann ein Karpaltunnelsyndrom auch mal in der Schwangerschaft im Rahmen der hormonellen Umstellung auftreten, meist klingt dies nach Ende der Schwangerschaft aber wieder ab. Wahrscheinlich ist die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren auch der Grund dafür, dass vom Karpaltunnelsyndrom meistens Frauen über 50 Jahre betroffen sind.


Die typischen Symptome des Karpaltunnelsyndroms sind nächtliche Schmerzen in der Hand unter Betonung des Daumens und des 2.-4. Fingers (Daumen bis Mitte Ringfinger), die mit einer Taubheit der betroffenen Finger eingehen. Die Schmerzen sind so unangenehm, dass viele Patienten davon erwachen. Beim Ausschütteln der Hand lassen die Beschwerden dann meist nach. Es können aber auch andere Symptome auftreten. Manche Patienten berichten über eine zunehmende Ungeschicklichkeit, die gelegentlich auch Ausdruck der Nerveneinengung sein kann.


Zur sicheren Diagnosestellung erfolgt in der Regel eine elektrophysiologische Untersuchung beim Neurologen. Dabei wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen, die beim Karpaltunnelsyndrom typischerweise herabgesetzt ist. Diese Untersuchung ist nötig, da es gelegentlich auch bei anderen Erkrankungen zu einem Einschlafen der Finger kommen oder in einem anderen Bereich des Armes ein Engpass vorliegen kann.

Die konservative Therapie eines Karpaltunnelsyndroms mit speziellen Nachtlagerungsschienen macht nur in leichten Fällen oder während der Schwangerschaft sind. Von einer Infiltration des Karpaltunnels mit Cortison kann ich als Handchirurg nur abraten, zu groß ist die Gefahr einer Nervenverletzung und eines spontanen Beugesehnenrisses, zudem hilft dies meist nur vorübergehend, da die Symptome meist nur kaschiert und die Ursache nicht beseitigt wird.


Die operative Beseitigung des Engpasses erfolgt in der Regel ambulant und in Lokalanästhesie über einen ca. 2 cm langen Hautschnitt und dauert beim erfahrenen Handchirurgen meist nur 2-3 Minuten. Bei dieser Operation wird das Dach des Karpaltunnels, welches aus einem kräftigen Band besteht, durchtrennt. Damit eine gute Übersicht besteht und der Mittelhandnerv (N. medianus) nicht versehentlich verletzt wird, erfolgt über die Dauer des Eingriffes die Anlage einer Oberarmblutdruckmanschette. Nach der Operation empfehlen wir zur Schonung das Tragen einer abnehmbaren Handgelenksorthese für 14 Tage. Das operative Risiko dieses Eingriffes ist minimal und mir ist keine einzige Komplikation bei den von mir durchgeführten Karpaltunnelspaltungen bekannt.

Kaum eine Operation ist so erfolgreich wie die Karpaltunnelspaltung.

Viele Patienten sind erstaunt wie schnell und einfach diese Operation durchzuführen ist. Bereits in der ersten Nacht nach der Operation sind die lästigen Schmerzen verschwunden. Oft ärgern sich die Patienten dann, dass sie sich nicht früher haben operieren lassen. Sofern das Karpaltunnelsyndrom nicht zu lange bestanden hat, kehren das Gefühl und die Sensibilität nach einiger Zeit wieder in die Finger zurück. Nur in seltenen Fällen, wo die Erkrankung sehr ausgeprägt ist und über viele Jahre bestand, ist der Nerv auf Dauer geschädigt. In diesen Fällen verschwindet zwar der Schmerz, die Sensibilität kehrt dann aber nicht mehr zurück.

Größe und Lokalisation der Schnittführung beim CTS
Wunde nach Spaltung des Carpaltunnels

Der schnellende Finger oder Daumen

(Digitus saltans - Tendovaginitis stenosans)

Auch der schnellende Finger ist eine häufige Erkrankung an der Hand und betrifft besonders häufig den Ringfinger, es können aber alle Finger und auch der Daumen betroffen sein. Typischerweise klagt der Patient zunächst über Schmerzen unter Belastung in der Hohlhand über dem betroffenen Strahl auf Höhe des Mittelhandköpfchens.

Gelegentlich lässt sich hier bereits ein kleiner beweglicher und druckschmerzhafter Knoten in der Tiefe tasten. Dieser Knoten entsteht infolge einer Verdickung der Beugesehne im Rahmen einer Beugesehnenscheidenentzündung. Diese ist meist auf eine Überlastung zurückzuführen.

Mit zunehmender Dauer der Beugesehnenscheidenentzündung wächst der Knoten bis dieser im Ringband, welches die Beugesehne am Knochen fixiert, hängen bleibt. Dann kommt es zum typischen und sehr schmerzhaften Schnappen des Fingers. Im Anfangsstadium tritt das Schnappen typischerweise morgens auf und verschwindet im Laufe des Tages wieder. Im Spätstadium kommt es zu einem dauerhaften Schnappen oder sogar zu einem Hängenbleiben des Fingers, so dass dieser entweder nicht mehr gestreckt oder gebeugt werden kann. Im Frühstadium dieser Erkrankung können die Beschwerden bei Schonung und der Einnahme entzündungshemmender Medikamente wieder verschwinden. Falls dies nicht geschieht gibt es ein einfaches und sicheres Operationsverfahren, welches den schnellenden Finger umgehend beseitigt.

Im Rahmen einer ambulanten Operation erfolgt die Durchtrennung des Ringbandes an welchem die Sehne hängen bleibt. Diese Operation erfolgt über einen 1 cm langen queren Hautschnitt in der Hohlhand in Lokalanästhesie und dauert lediglich 2-3 Minuten. Der Finger ist danach sofort frei beweglich und bleibt nicht mehr hängen. Bis die Schmerzen komplett verschwunden sind kann etwas dauern, da das Abklingen der Beugesehnenscheidenentzündung etwas Zeit benötigt.

Da man nur den betroffenen Finger operiert kann es vorkommen, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein anderer Finger von dieser Erkrankung betroffen ist. Dieser wird dann in der gleichen Weise behandelt, eine vorbeugende bzw. prophylaktische Behandlung nicht betroffener Finger ist nicht sinnvoll.

Strecksehnenscheidenentzündung

(Tendovaginitis de Quervain)

Strecksehnenscheidenentzündungen (Tendovaginitiden) sind schmerzhafte Entzündungen der Strecksehnenscheide durch monotone wiederkehrende Überlastungen der Strecksehnen, wie sie z.B. beim Schreibmaschinenschreiben oder beim Schreiben am PC auftritt. Meist sind junge Frauen betroffen, eine gewisse Veranlagung scheint bei dieser Erkrankung eine Rolle zu spielen.

Betroffene Patienten berichten in der Regel über starke Schmerzen beim Bewegen des Handgelenkes und haben eine sichtbare Schwellung über dem Handrücken. In sehr ausgeprägten Fällen kann man ein Knirschen über der betroffenen Strecksehne tasten, was auch als „Hirschlederreiben“ beschrieben wird.

Prinzipiell können alle 6 Strecksehnenfächer mit ihren darin verlaufenden verschiedenen Strecksehnen betroffen sein, meist ist aber das erste Strecksehnenfach betroffen in welchem die lange Abspreizsehne und kurze Strecksehne des Daumens verläuft. Welches Strecksehnenfach genau betroffen ist, kann im Rahmen der handchirurgischen Untersuchung durch entsprechende Provokationstest der einzelnen Sehnen herausgefunden werden.

Im Frühstadium, also bei erstmaligen bzw. erst kurz bestehenden Beschwerden, steht die konservative Behandlung ganz klar im Vordergrund. Diese beinhaltet neben der medikamentösen Therapie mit Entzündungshemmern auch eine Ruhigstellung der Hand in einer Schiene oder Orthese für mindestens 2 Wochen, ggf. auch für bis zu 6 Wochen bis zum völligen Abklingen der Beschwerden. Je früher und konsequenter die konservative Therapie durchgeführt wird, desto erfolgreicher ist sie, ganz nach dem Motto „Lieber konsequent und kurz, als inkonsequent und lang“.

Erst beim Versagen der konservativen Therapie und einer Chronifizierung der Beschwerden tritt die operative Therapie der Erkrankung in den Vordergrund. Hierbei erfolgt im Rahmen einer ambulanten Operation und in Regionalanästhesie die Eröffnung des betroffenen Strecksehnenfaches und in ausgeprägten Fällen die Entfernung der entzündlich veränderten Sehnenscheide. An die operative Behandlung schließt sich eine 2-4 wöchige Ruhigstellungsphase in einer Schiene oder Orthese an. Meist lässt sich durch die Operation die Sehnenscheidenentzündung beherrschen, allerdings kann diese wieder auftreten, wenn die auslösende Tätigkeit wieder aufgenommen oder fortgeführt wird. Daher sollte auch überprüft werden inwieweit die Arbeitsabläufe verändert werden können.

Das Überbein

(Ganglion)

Das streck- oder beugeseitige Ganglion ist der Klassiker in der Handchirurgie schlechthin. Überbeine bzw. Ganglien entstehen infolge einer Aussackung der Gelenkkapsel oder auch der Sehnenscheiden und sind mit einer gelartigen Flüssigkeit (Gelenkflüssigkeit – Synovia) gefüllt.

In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist eine Überlastung in Kombination mit einer gewissen Veranlagung ursächlich für die Entstehung eines Ganglions. Es gibt aber auch Fälle eines sogenannten symptomatischen Ganglions in Folge einer anderen Erkrankung des Gelenkes oder einer Sehne. Dies können neben nicht erkannten Verletzungen auch degenerative Veränderungen, wie sie beim Gelenkverschleiß (Arthrose) auftreten sein.

Daher ist zumindest eine Röntgenaufnahme der Hand bzw. des Handgelenkes zu empfehlen, damit etwaige andere Ursachen ausgeschlossen werden können. Ansonsten ist der Erfolg der operativen Therapie nur kurz und ein Rezidiv vorprogrammiert, da die eigentliche Ursache nicht beseitigt wurde. Gelegentlich ist auch die Durchführung einer Kernspintomographie sinnvoll, insbesondere beim Rezidiv oder zur Lokalisation sehr kleiner Ganglien.

In der Regel sind Ganglien schmerzfrei und haben eine prallelastische Konsistenz. Meist sind Frauen betroffen und die Größe des Ganglions ist sehr wandlungsfähig. So kann ein Ganglion zunächst sehr groß und nach einiger Zeit auch wieder verschwunden sein. Die Größe eines Ganglions kann von linsengroß bis hühnereigroß variieren. Sollte das Ganglion nach einiger Zeit nicht von selbst zurückgegangen sein, kann es, sofern es stört oder schmerzt operativ entfernt werden.

Dies erfolgt als ambulante Operation in Regionalanästhesie und ist für einen Handchirurgen ein Standardeingriff. Nach der Operation sollte zur Schonung eine Handgelenksorthese oder eine Gipsschiene für 14 Tage getragen werden. Dies dient auch zur Vermeidung eines Rezidivs, Bedauerlicherweise ist ein Wiederauftreten des Ganglions (Rezidiv) nicht selten und kein Zeichen einer schlechten operativen Versorgung, es sollte aber Anlass für eine weitere Abklärung der Ursache sein. Oftmals lässt sich hier aber keine Ursache finden. Falls das Rezidiv stört kann nochmals der Versuch gestartet werden es operativ zu entfernen. Ein mehrmaliges Rezidiv ist eher selten und bei fehlender erkennbarer Ursache unwahrscheinlich.

Die Daumensattelgelenksarthrose

(Rhizarthrose)

 Die Daumensattelgelenkarthrose (degenerativer Verschleiß des Gelenkes) ist eine der lästigsten und unangenehmsten Erkrankungen überhaupt und betrifft insbesondere Frauen mittleren Alters. Obwohl die Daumensattelgelenksarthrose bzw.,. Rhizarthrose sehr häufig ist, ist ihre Ursache noch nicht geklärt. Sehr wahrscheinlich besteht hier auch eine gewisse Veranlagung, häufig ist sie auch mit anderen Arthrosen in anderen Gelenken assoziiert. Da der Daumen der wichtigste Finger ist und bei nahezu jeder Benutzungsform der Hand benötigt wird, leiden die betroffenen Patienten erheblich darunter und die normale Nutzung der Hand wird dadurch massiv eingeschränkt. Neben belastungsabhängigen Schmerzen klagen viele Patienten auch über nächtliche Beschwerden.

Die Diagnose lässt sich meist schon im Rahmen der handchirurgischen Untersuchung stellen. Hierzeigt sich neben einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung ein Druckschmerz und Knirschen (Krepitieren) im Daumensattelgelenk sowie eine Schwellung und Veränderung der Gelenkkontur.

Gesichert wird die Diagnose durch eine Röntgenaufnahme des Daumens in der sich der Verschleiß des Gelenkes (Arthrose) aufzeigen lässt.

Bei geringen Beschwerden oder erstmaligem Auftreten wird in der Regel zunächst ein konservativer Therapieversuch gestartet. Hierzu gehören neben der Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten auch das Tragen einer speziellen Schiene bzw. Daumen-Orthese zur Schonung und Ruhigstellung des schmerzhaft entzündeten Gelenkes.

Führt dies zu keiner Linderung der Beschwerden oder ist eine dauerhafte Medikamenteneinnahme erforderlich, kann hier durch eine operative Intervention gut geholfen werden.

Prinzipiell stehen zwei verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung: Zum einen die operative Einstellung des Daumensattelgelenkes, welche insbesondere bei körperlich schwer tätigen Patienten, wie Handwerkern sinnvoll ist, und zum anderen die Entfernung des einen Gelenkpartners des Daumensattelgelenkes (Trapezektomie, Resektionssuspensionsarthroplastik) zur Verfügung. Die letztere Methode führt zu einer deutlichen Verbesserung der Daumenbeweglichkeit und führt verlässlicher zu einer kompletten Schmerzreduktion wie die Einsteifung und ist daher das Verfahren der Wahl. Nur das kräftige zupacken ist bei dieser Methode schlechter als bei der Einsteifung, so dass die Einsteifung wie bereits oben erwähnt insbesondere bei körperlich schwer tätigen Patienten eingesetzt wird. Welches Verfahren für sie persönlich das Richtige ist wird in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen besprochen und festgelegt.

Beide Verfahren erfolgen ambulant und können in Regionalanästhesie durchgeführt werden. Nach dem Eingriff müssen Sie für 4-6 Wochen eine Handgelenksorthese mit Daumeneinschluß tragen. Bis Sie nach diesem Eingriff völlig Beschwerdefrei sind können 6-12 Monate vergehen, aber die Ergebnisse sind nach dieser Zeit gut bis sehr gut und die Gebrauchsfähigkeit der Hand wird wieder völlig hergestellt.

Der endoprothetische Gelenkersatz hat sich aufgrund der schlechten operativen Ergebnisse am Daumensattelgelenk nicht durchgesetzt und wird daher in unserer Klinik auch nicht durchgeführt,

Die Kahnbeinfraktur

(Scaphoidfraktur)

 Frakturen der Handwurzelknochen sind insgesamt selten und werden auf konventionellen Röntgenfrakturen häufig nicht erkannt. Von allen Handwurzelknochen ist das Kahnbein (Scaphoid) mit Abstand am Häufigsten von einer Fraktur betroffen. Die Kahnbeinfraktur (Scaphoidfraktur) tritt typischerweise nach einem heftigen Sturz auf die gestreckte Hand auf, wie dies typisch ist, wenn man versucht sich bei einem Sturz (z.B. Fahrradsturz, Stolpersturz, Sturz beim Sport) abzufangen.

In Abhängigkeit der Stellung des Handgelenkes und der Richtung der einwirkenden Kraft entsteht bei entsprechender Wucht entweder eine Fraktur des körperfernen Speichenendes (Radius), welche die häufigste Fraktur des Menschen überhaupt ist, oder eine Kahnbeinfraktur (Scaphoidfraktur). Während sich eine körperferne Speichenfraktur (distale Radiusfraktur) leicht im Röntgenbild erkennen lässt, ist die Diagnose einer Scaphoidfraktur im konventionellen Röntgenbild oft nicht zu stellen. Sollte nach einem Sturz auf das Handgelenk bei unauffälligem Röntgenbild weiterhin Beschwerden bestehen, sollte eine computertomographische Untersuchung (CT) des Handgelenkes erfolgen, um eine Scaphoidfraktur auszuschließen.

Wird eine Scaphoidfraktur nicht erkannt und übersehen kommt es zu keiner Ausheilung der Fraktur und es entsteht eine sogenannte Scaphoidpseudarthrose. Diese ist zunächst zwar nicht schmerzhaft, führt aber in wenigen Jahren zu einer ausgeprägten Arthrose des gesamten Handgelenkes (SNAC wrist) mit stärksten Beschwerden, die sich nur sehr schwierig therapieren lässt. Dies liegt daran, dass die Handwurzelknochen wie ein Kugellager funktionieren und wenn eine „Kugel“ (Scaphoid) defekt ist, wird das „Lager“ (Handgelenk) mit der Zeit zerstört. Daher sollte bei jedem Sturz auf das Handgelenk auch an die Möglichkeit einer Scaphoidfraktur gedacht werden.

Scaphoidfraktur (links Röntgenbild – rechts CT)

Sollte eine Scaphoidfraktur diagnostiziert werden stellt sich die Frage nach der optimalen Therapie. Unverschobene und quer verlaufende Brüche des Kahnbeins können zwar konservativ behandelt werden, allerdings ist hier eine sehr lange Ruhigstellung im Gips für bis zu 12 Wochen erforderlich, da das Scaphoid schlecht durchblutet ist. Bei ungünstigem oder schrägem Frakturverlauf ist eine operative Stabilisierung der Scaphoidfraktur dringend zu empfehlen um eine ausbleibende knöcherne Heilung (Pseudarthrose) zu vermeiden. Hierzu steht uns eine speziell für das Kahnbein entwickelte Schraube zur Verfügung, die sich auch minimalinvasiv über eine 5mm lange Stichinzision in das Scaphoid einbringen lässt.

Diese Methode ist in der Hand eines geübten Handchirurgen so elegant, dass sie auch häufig bei Scaphoidfrakturen verwendet wird, die prinzipiell auch konservativ behandelt werden können, da viele Patienten die lange Gipsruhigstellung scheuen. Nach minimalinvasiver Einbringung dieser speziellen Scaphoidschraube, die im Rahmen einer ambulanten Operation in Regionalanästhesie erfolgt,  kann das Handgelenk und die Hand meist nach 2 Wochen Behandlung in einer abnehmbaren Handgelenksorthese freigegeben und benutzt werden.

Röntgenbild nach minimalinvasiver Verschraubung des Scaphoids

Die Kahnbeinpseudarthrose

(Scaphoidpseudarthrose)

Wird eine Kahnbeinfraktur (Scaphoidfraktur) nicht erkannt und adäquat behandelt, kann hieraus eine Fehlheilung resultieren und die Fraktur heilt dann nicht knöchern aus. Es entsteht ein sogenanntes Falschgelenk, was auch als Pseudarthrose bezeichnet wird. Prinzipiell kann diese auch bei rechtzeitiger Diagnose und korrekter operativer Therapie auftreten, ist aber bei rechtzeitiger Diagnose und operativer Therapie seltener als unter konservativer Therapie oder wenn die Fraktur nicht erkannt wird. Dies liegt insbesondere an der kritischen Durchblutungssituation des Kahnbeins. Ohne ausreichende Durchblutung kann keine knöcherne Heilung erfolgen.

Sollte eine Kahnbeinpseudarthrose auftreten und sollte auch noch keine Handgelenksarthrose vorliegen, kann durch einen operativen Eingriff (z.B. Matti-Russe-Plastik) versucht werden, die Kahnbeinpseudarthrose (Scaphoidpseudarthrose) durch Transplantation von eigenem Knochengewebe aus dem Beckenkamm (autologe Spongiosaplastik oder bikortikale Beckenkammspäne) und osteosynthetischer Stabilisierung (Schraube, Platte, Drähte) zur knöchernen Ausheilung zu bringen.

Gelegentlich sind auch gefäßgestielte Transplantate erforderlich um die Kahnbeinpseudarthrose (Scaphoidpseudarthrose) zur Ausheilung zu bringen.

Welches Verfahren angewandt wird, hängt von vielen Faktoren ab und kann erst nach entsprechender Diagnostik (Computertomographie (CT). Kernspintomographie (MRT)) festgelegt und mit Ihnen besprochen werden. Viele Scaphoidpseudarthrosen lassen sich mit diesen Techniken zur knöchernen Ausheilung bringen.

Dupuytren´sche Kontraktur

(M. Dupuytren)

Diese nach dem Baron Guillaume Dupuytren, Leibarzt von Ludwig XVIII und Karl X, benannte Krankheit (Morbus Dupuytren) betrifft die Palmarfaszie (kräftige Bindegewebsplatte zwischen der Haut und den Beugesehnen) der Hohlhand. Diese Erkrankung führt zu einer Knoten- und Strangbildung in der Palmarfaszie, die sich in der Hohlhand tasten lassen.

Während sich im Frühstadium der Erkrankung zunächst nur die Knoten und Stränge in der Handinnenfläche zeigen, kann es beim Fortschreiten der Erkrankung zu einer zunehmenden Beugekontraktur der Finger kommen, so dass die betroffenen Finger nicht mehr vollständig gestreckt werden können. Deswegen wird diese Erkrankung auch Dupuytren´sche Kontraktur genannt.

Obwohl diese Erkrankung bereits vor mehr als 200 Jahren von dem Baron Guillaume Dupuytren beschrieben wurde, ist über Ihre Ursache wenig bekannt. Lediglich bei Diabetikern lässt sich eine Häufung dieser Erkrankung feststellen. Man weiß lediglich, dass es im Rahmen eines Entzündungsprozesses zu einer Veränderung des Kollagengewebes mit Knoten- und Strangbildung der Palmarfaszie in der Handinnenfläche kommt. Hierbei schrumpft das Kollagengewebe und führt zur Beugekontraktur der Finger. Da sich diese Veränderungen ausschließlich in der Palmarfaszie abspielen, sind die anderen Strukturen der Hand, wie z.B. die Beugesehnen, nicht betroffen. Die Erkrankung zeigt zudem keinen einheitlichen Verlauf, kann jederzeit zum Stillstand kommen oder in Schüben verlaufen. Am Häufigsten ist der Kleinfinger betroffen, gefolgt von Ring- und Mittelfinger. Zeigefinger und Daumen sind nur selten involviert.

Während die Diagnose der Dupuytren´schen Kontraktur einfach ist, wird über die Therapie dieser Erkrankung teilweise sehr kontrovers diskutiert. Im Frühstadium der Erkrankung kann der spontane Verlauf zunächst beobachtet werden, da diese Erkrankung meist sehr langsam verläuft und spontan zum Stillstand kommen kann.

Alternativ besteht im Frühstadium auch die Möglichkeit einer Röntgen-Bestrahlung. Diese kann die Erkrankung zum Stillstand bringen, birgt aber das Risiko der Bestrahlung. Zudem kann eine wiederholte Bestrahlung der Hand die spätere chirurgische Behandlung erschweren.

Die klassische Behandlungsmethode besteht in der chirurgischen Behandlung mit Entfernung der betroffenen Anteile der Palmarfaszie. Dieses Verfahren wird meist eingesetzt, wenn es bereits zu einer Beugekontraktur der Finger gekommen ist. Bei rechtzeitiger chirurgischer Therapie kann die volle Streckfähigkeit der Finger fast immer wiedererlangt werden. Risiken der chirurgischen Behandlung sind neben Wundheilungsstörungen, die in der Regel aber ausheilen, Narbenbildungen, die selbst wieder zu einer Beugekontraktur führen können. Daher ist die krankengymnastische Übungsbehandlung unmittelbar nach der Operation entscheidend für ein gutes Ergebnis.

Ein weiteres Verfahren ist die perkutane Nadelfasziotomie (PNF). Hier werden mit einer scharfen Kanüle, welche durch die Haut der Handinnenfläche gestochen wird, die Stränge durchtrennt um die Streckfähigkeit der betroffenen Finger wiederherzustellen. Diese Methode wird entweder bei leichten Beugekontrakturen als alleiniges Verfahren oder bei sehr ausgeprägten Kontrakturen (Finger maximal gebeugt) als vorbereitendes Verfahren vor einer Operation eingesetzt.

Unabhängig von den vielen konkurrierenden Verfahren, lässt sich der Morbus Dupuytren im frühen bis mittleren Stadium sehr gut behandeln. Welches Verfahren am besten für den Patienten geeignet ist trifft in der Regel der Handchirurg, dabei muss das operative Verfahren nicht im Vordergrund stehen.

Enchondrom

(Osteochondrom)

Röntgenbild eines Enchondroms

 Enchondrome sind gutartige Knochentumore, die insbesondere in den Fingerknochen der Hand auftreten. Häufig werden sie beim Röntgen oder einer kernspintomographischen Untersuchung (MRT) der Hand aus einem anderen Grund zufällig diagnostiziert, gelegentlich sind sie aber auch ursächlich für eine Fingerfraktur, da ihr Wachstum die Stabilität des Knochens beeinträchtigt und spontane Brüche (Frakturen) auftreten können. Aus diesem Grund wird auch die Entfernung dieser gutartigen Knochentumoren empfohlen, obwohl sie nur selten Beschwerden machen oder rein zufällig diagnostiziert werden.

Die operative Entfernung dieser Enchondrome ist technisch nicht schwierig, da sie aus weichem Material bestehen, welches sich einfach aus dem betroffenen Knochen entfernen lässt. Die entstandene Höhle wird meist mit etwas eigenem Knochen aus der körperfernen Speiche aufgefüllt. Diese Operation wird in der Regel ambulant in Regionalanästhesie durchgeführt und weist eine gute Prognose auf.

Herberden Arthrose der Fingerendgelenke

Die Fingerendgelenkarthrose, die auch als Herberden Arthrose bezeichnet wird, wird familiär vererbt und betrifft überwiegend Frauen höheren Alters, kann aber auch, je nach genetischer Belastung, auch schon im mittleren Lebensalter auftreten. Betroffene Patienten entwickeln zunächst einen Gelenkverschleiß unterschiedlicher Ausprägung in mehreren Fingerendgelenken beider Hände. Dieser Gelenkverschleiß kann, muss aber nicht mit Schmerzen einhergehen. Wenn dieser Gelenkverschleiß mit Schmerzen assoziiert ist, lässt dieser meist im weiteren Verlauf der Erkrankung nach. Allerdings bildet sich zeitgleich eine ästhetisch und auch funktionell ungünstige ausgeprägte Fehlstellung der Fingerendglieder mit unansehnlichen knöchernen Verformungen bzw. höckerförmigen Anbauten auf der Streckseite des Fingerendgelenke. Dabei können zum Teil ausgeprägte Fehlstellungen und Achsabweichungen der Fingerendglieder auftreten, welche die betroffenen Patienten erheblich belastet.

Diese Fehlstellungen und knöchernen Anbauten lassen sich chirurgisch aber sehr gut therapieren und die ästhetische Form der Finger wieder herstellen. Im Rahmen dieser ambulanten Operation erfolgt in Lokalanästhesie die Einsteifung einer oder mehrerer Fingerendgelenke in korrekter anatomischer Stellung mit einer Spezialschraube. Die Einsteifung der Fingerendgelenke spielt funktionell keine Rolle, da aufgrund der Erkrankung die Beweglichkeit bereits völlig aufgehoben ist. Oft lässt sich neben der ästhetischen auch eine funktionelle Verbesserung erzielen, da die Fingerendglieder nach der Operation wieder in der korrekten Position stehen.

Kontakt

Prof. Dr. med. Michael Wild

Direktor der Klinik und Leiter Schwerpunkt Handchirurgie