Patienteninformation zur Anästhesie – Allgemeinanästhesie und Regionalanästhesie

Allgemeinanästhesie

Während der Allgemeinanästhesie („Vollnarkose“) wird der gesamte Körper empfindungs- und schmerzfrei gemacht und der Patient in einen schlafähnlichen Zustand gebracht. Dafür wird eine Kombination verschiedenster Medikamente verwendet, die über die Blutbahn verabreicht bzw. als Gase eingeatmet werden.

Ihre Anästhesistin / Ihr Anästhesist ist die ganze Zeit bei Ihnen. Die Atmung und der Kreislauf werden kontinuierlich überwacht und gegebenenfalls unterstützt. Die Narkose ist gut steuerbar, das heißt, Sie wachen erst auf, wenn alles vorbei ist! Der Chirurg beginnt auch erst dann mit der Operation, wenn der Anästhesist absolut sicher ist, dass Sie ausreichend tief schlafen. Eine noch Stunden andauernde Benommenheit nach der Narkose gehört eher der Vergangenheit an.

Mögliche Begleiterscheinungen nach einer Vollnarkose wie kurzzeitige Heiserkeit, Übelkeit, Kältezittern oder Kreislaufschwäche sind heutzutage selten. Es kommt dabei jedoch auch auf die Ausgangssituation des Patienten und die jeweilige Operation an, der er oder sie sich unterziehen muss.
Wir bemühen uns immer, eventuelle Nebenwirkungen zu vermeiden und das Risiko zu minimieren. Ein hochqualifiziertes Personal sowie eine technische Ausstattung, die dem neuesten Stand entspricht, sind dabei eine selbstverständliche Voraussetzung.


Regionalanästhesie

Bei einer Regionalanästhesie (örtlichen Betäubung) wird nur eine bestimmte Körperregion schmerzunempfindlich gemacht. Diese „Blockierung“ der schmerzleitenden Nervenfasern ist nur vorübergehend und lässt je nach verwendetem Lokalanästhetikum einige Zeit nach der Operation nach. Der Patient bleibt dabei wach, spürt aber nichts von dem operativen Eingriff. Auf Wunsch kann der Anästhesist Ihnen ein Beruhigungsmittel verabreichen, so dass Sie zusätzlich zur Regionalanästhesie in einen leichten Dämmerschlaf geraten. Der Kontakt zum Anästhesiepersonal ist dabei aber jederzeit möglich.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einzelne Regionen des Körpers schmerzunempfindlich zu machen. Bei allen Verfahren wird unter sterilen Bedingungen und kontrolliert gearbeitet. Das heißt, die Haut über dem/den Nerven wird sorgfältig desinfiziert und mit grünen Tüchern abgedeckt sowie eine örtliche Hautbetäugung durchgeführt. So ist die Punktion mit der Kanüle, mit der das Betäubungsmittel um die Nerven gespritzt wird, schmerzarm. Auch seltene Komplikationen wie Entzündungen oder Blutungen lassen sich so meist vermeiden.
Wie bei der Allgemeinanästhesie werden auch bei der Regionalanästhesie die Organfunktionen kontinuierlich überwacht und stabil gehalten.

Einige Regionalverfahren können auch mit einer Vollnarkose kombiniert werden. Der Vorteil liegt hierbei darin, dass eine Schmerzausschaltung während aber auch nach der Operation durch die örtliche Betäubung erfolgt, ohne dass Schmerzmittel in die Blutbahn verabreicht werden müssen.

Die bekannteste Form der örtlichen Betäubung ist die Spinalanästhesie (SPA). Sie eignet sich für Operationen unterhalb des Bauchnabels und an den Beinen. Hierbei wird im Bereich der Lendenwirbelsäule mit einer sehr feinen Punktionsnadel der Raum zwischen den Wirbelkörpern aufgesucht. Üblicherweise sitzt der Patient dabei auf dem OP-Tisch. Das Lokalanästhetikum wird dann um die feinen Nervenfasern in diesem Bereich gespritzt, jedoch nicht in das Rückenmark selbst, das schon viel höher im Bereich der unteren Brustwirbelsäule endet. Die Punktionsnadel wird dann entfernt und der Patient verspürt rasch ein „Taubwerden“ der Beine und des Unterleibs. Nach der Operation kehren die Beweglichkeit und das Gefühl in den Beinen nach wenigen Stunden zurück.

Ein ähnliches Verfahren ist die Periduralanästhesie (PDA). Hierbei wird im Bereich des Rückens mit einer Hohlnadel der Raum vor der harten Rückenmarkshaut aufgesucht und ein dünner Kunststoffschlauch eingeführt. Dieser Schmerzkatheter bleibt dann für die Dauer der Operation und für die Schmerzbehandlung nach der Operation liegen. Über ihn wird kontinuierlich ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) gegeben. Der Schmerzkatheter wird täglich von unserem Akut-Schmerzdienst (ASD) kontrolliert und die Schmerztherapie individuell abgestimmt.

Neben der SPA und PDA können auch große Nervenbündel, die den Arm oder das Bein versorgen, an verschiedenen Punktionsorten betäubt werden. Diese peripheren Nervenblockaden schalten nur das Schmerzempfinden und die Beweglichkeit derjenigen Extremität aus, an der operiert werden soll. Hierzu wird zum Beispiel im Bereich des Halses, des Schlüsselbeins oder der Achselhöhle (Plexus interskalenus, Plexus infraclavicularis, Plexus axillaris) der Arm betäubt. Bei Bedarf kann dabei auch ein Schmerzkatheter zur postoperativen Schmerzbehandlung oder zum frühzeitigen Beginn der Krankengymnastik gelegt werden.

Im Bereich des Beines sind die Leiste (Nervus femoralis-Block, Nervus obturatorius-Block) , die Kniekehle oder der Knöchel mögliche Punktionsorte. Bei allen peripheren Nervenblockaden wird zunächst die Haut desinfiziert und betäubt. Dann wird mit einer Stimulationskanüle das jeweilige Nervenbündel aufgesucht. Wenn der Anästhesist an der richtigen Stelle ist, merken Sie als Patient leichte Muskelzuckungen in Arm oder Bein. Anschließend wird das Betäubungsmittel injiziert und die Extremität für die Dauer der Operation „ausgeschaltet“. Auch diese Verfahren sind sicher und nebenwirkungsarm. Je nach Lokalisation und Art der Operation sowie unter Berücksichtigungen Ihrer Vorerkrankungen und persönlichen Vorlieben werden wir das für Sie geeignetste Verfahren auswählen und alles für Ihre Sicherheit während und Zufriedenheit nach der Narkose tun!

Weitere Informationen

Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin

Grafenstraße 9
64283 Darmstadt

Tel.: 06151 - 107 6251
Fax: 06151 - 107 6299

anae@mail.klinikum-darmstadt.de

Direktor



Prof. Dr. med. Martin Welte

Tel.: 06151 - 107 6251