Diagnostik und Therapie: Thrombophilie (angeborene Thromboseneigung)

In den letzten Jahren wurden vererbbare Störungen des Gerinnungssystems entdeckt, die dazuführen können, dass das Risiko für das Auftreten einer Thrombose oder Lungenembolie erhöht ist.

In der Normalbevölkerung finden sich diese Störungen etwa bei 5 bis 10%, untersucht man aber Patienten die bereits eine Thrombose oder Lungenembolie erlitten hatten, so finden sich diese Störungen in über 50% (siehe Abbildung).

Gerade wenn Thrombosen oder Lungenembolien ohne äußeren Auslöser (wie zum Beispiel Operation, Bettlägerigkeit, Verletzung, Gipsverband u.ä) aufgetreten sind, insbesondere bei jungen Menschen, kann eine thrombophilie Gerinnungsstörung zugrunde liegen.

Die entsprechende Gerinnungsdiagnostik kann im Zentrallabor des Klinikums erfolgen.

Wichtig ist (auch schon vor Veranlassung einer entsprechenden Untersuchung!) die ausführliche Beratung der Patienten, insbesondere auch über die Möglichkeiten zur Prophylaxe und Therapie bei Vorliegen einer Thrombophilie.

Besonders wichtig ist diese Beratung und Abklärung im Zusammenhang mit Schwangerschaft, weil hier einerseits das Thromboserisiko deutlich erhöht ist, andererseits aber die Möglichkeiten zur Thromboseprophylaxe in der Schwangerschaft eingeschränkt sind: Schließlich muss nicht nur der Schutz und die Sicherheit der Mutter, sondern auch des Kindes gewährleistet sein.

In der angiologischen Klinik des Klinikums Darmstadt wurde in den vergangenen Jahren die weltweit größte Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Heparin bei Hochrisikoschwangerschaften durchgeführt: über 800 Frauen mit akuter Thrombose oder Lungenembolie, oder erhöhtem Thromboserisiko in der Schwangerschaft wurden mit Heparin behandelt. Die Studie zeigte eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapie und fand international große Beachtung.*

In jüngster Zeit wurde auch ein Zusammenhang der oben genannten Thrombophilie mit dem Auftreten von schweren Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten, Plazentainsuffizienz, Präeklampsie und HELLP- Syndrom beobachtet, so dass in besonderen Fällen nicht nur zur Thromboseprophylaxe, sondern auch zur Verhütung von Schwangerschaftskomplikationen Heparin oder Aspirin eingesetzt wird.

In der Sprechstunde von Prof. Bauersachs werden Frauen mit diesen Risikobedingungen beraten und behandelt.

* Literatur:

Bauersachs RM, Dudenhausen J, Faridi A, Fischer T, Fung S, Geisen U, Harenberg J, Herchenhan E, Keller F, Kemkes-Matthes B, Schinzel H, Spannagl M, Thaler CJ for the EThIG Investigators: Risk stratification and heparin prophylaxis to prevent venous thromboembolism in pregnant women. Thromb Haemost. 2007 Dec;98(6):1237-45.

Bauersachs RM, Treatment of venous thromboembolism during pregnancy. Thrombosis Research 2009; 123: 45-50

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