Aufgaben moderner Pathologie

Molekularpathologische Untersuchungen

Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und die Fluoreszenz-in-situ Hybridisierung (FISH) werden zum Nachweis bestimmter Genabschnitte in Nukleinsäuren (DNA = Desoxyribonukleinsäure und RNA= Ribonukleinsäure) eingesetzt.

Mit diesen Methoden können bestimmte Krankheitserreger sowie genetische Veränderungen im Zellkern von Tumorzellen nachgewiesen werden. Die Polymerase-Kettenreaktion wird u.a. in der gynäkologischen Vorsorgezytologie zum Nachweis einer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) durchgeführt. Zum Nachweis einer Infektion durch Hochrisiko-HPV-Typen (Hauptursache des Gebärmutterhalskarzinoms) wird das PCR-Produkt sequenziert und der HPV-Typ durch Vergleich der DNA-Sequenz mit publizierten Sequenzen in internationalen Datenbanken ermittelt.

Folgende Krankheitserreger können mittels PCR nachgewiesen werden:

  • Mycobacterium tuberculosis (Erreger der Tuberkulose)
  • Atypische Mykobakterien (z.B. Infektion durch Mykobacterium avium intracellulare)
  • Chlamydia pneumoniae (Erreger atypischer Pneumonien)
  • Clostridium difficile
  • Yersinien
  • Borrelia burgdorferi (Erreger der Borreliose nach Zeckenbiss)
  • Humane Papillomaviren (HPV)
  • Herpes simplex Virus (HSV) Typ I und II
  • Epstein Barr Virus (EBV; z.B. in bestimmten Lymphomen und Karzinomen oder Infektionen)
  • Cytomegalie Virus (CMV; z.B. bei opportunistischen Infektion immunsupprimierter Patienten)
  • Varizellen Zoster Virus (VZV; Erreger des Herpes Zoster)
  • Leishmanien
  • Toxoplasma gondii
  • Breitspektrum-PCR Analysen zum Nachweis humanpathogener Bakterien und Pilze

Klonalitätsanalysen des Immunglobulinschwerkettengens und des T-Zellrezeptorgens im Anschluss an eine PCR helfen reaktive lymphozytäre Proliferationen von malignen B- oder T-Zelllymphomen zu unterscheiden (z.B. Hautlymphome, MALT-Lymphome des Gastrointestinaltraktes).

Translokation bei bestimmten Lymphomen können mit PCR nachgewiesen werden (t(11;14) und t(14;18).

Mit dem Nachweis von Mutation im K-RAS-Gen mittels PCR können u.a. reaktive Pankreasveränderungen von Karzinomen abgegrenzt werden.

Die Fluoreszenz-in-situ Hybridisierung (FISH) wird zum Nachweis von chromosomalen Aberrationen und Gen-Translokationen in malignen Tumoren eingesetzt.

Dazu zählt der Nachweis des Her-2/neu (c-erb-B2) Protoonkogens beim Mammakarzinom, das für einen Wachstumsfaktor auf dem langen Arm des Chromosoms 17 kodiert. Der Her-2/neu-Status kann zum einen immunhistologisch, zum anderen durch einen FISH-Test (PathVysion) bestimmt werden. Patienten mit einer Amplifikation des Her-2/neu-Gens (vermehrter Nachweis des Gens in den Tumorzellkernen) können mit einer speziellen Therapie (Herceptin-Therapie) behandelt werden.

Der UroVysion-FISH-Test ermöglicht den Nachweis von Aneusomien (Verluste oder Vermehrung von  Chromosomen und Chromosomenabschnitten) in Urothelkarzinomzellen aus Urin, Harnblasenspülflüssigkeit und Nierenbeckenspülflüssigkeit. Die Methode erkennt Tumorzellen, die weder mit der herkömmlichen Routinezytologie noch mit der DNS-Zytometrie nachweisbar sind.

In der Diagnostik hämatologischer Tumoren kann ein Nachweis der Translokation t(9;22) (q34;q11) bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) durch FISH im Blutausstrich, Nachweis von Translokationen in malignen Lymphomen durch PCR und FISH, darunter t(11; 14)(q13;q32) beim Mantelzelllymphom und t(14;18)(q32;q21) bei follikulären Lymphomen zur Abgrenzung zu diffusen großzelligen B-Zelllymphomen durchgeführt werden. Der Nachweis bestimmter Translokationen in Lymphomen und Leukämien hat neben einer prognostischen Bedeutung auch therapeutische Konsequenzen.

FISH-Sonden-Panels bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und beim multiplen Myelom oder dessen Vorstufen dienen der Identifikation von Hochrisikopatienten und helfen bei der Indikationsstellung zur Therapie.

Folgende FISH-Untersuchungen werden durchgeführt:

FISH-Sonden in Lymphomen:

  • t(11;14) IGH/CCND1; Mantelzelllymphom
  • t(11;18); API/MALT1; Marginalzonenlymphom
  • t(14;18) IGH/BCL2, follikuläres Lymphom
  • t(8;21) AML1/ETO, akute myeloische Leukämie
  • t(9;22) BCR/ABL; chronische myeloische Leukämie
  • t(8;14) IGH/MYC; Burkitt-Lymphom
  • FISH-Panel bei chronischer lymphatischer Leukämie
  • FISH-Panel bei multiplen Myelom oder dessen Vorstufen

FISH-Sonden bei soliden Tumoren:

  • Pathvysion; Her2neu-FISH; Mammakarzinom
  • UroVysion; Urothelkarzinom
  • ProVysion; Prostatakarzinom
  • LSI FUS(16p11) Break Apart; Liposarkom, AML, low-grade fibromyxoide Sarkome, angiomatoide fibröse Histiozytome
  • t(12;16) FUS/CHOP; Liposarkom

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Ärztlicher Leiter

Priv. Doz. Dr. Frank Bergmann


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