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Wenn eine Geburt Probleme mit dem Beckenboden schafft

PD Dr. med. Sven Ackermann und Katharina Rechel, leitende Oberärztin der Frauenklinik und Leiterin des Bereichs Beckenboden und Urogynäkologie wissen was zu tun ist.

Eine Geburt ist eine enorme Belastung für den Beckenboden. Während einer Spontangeburt werden die Bänder und Muskeln des Beckens und damit auch Nerven und Gefäße um bis zu 300 % gedehnt. Dies führt dazu, dass bei vielen Frauen nach einer Spontangeburt noch lange nach der Geburt auch ohne wesentliche Geburtsverletzungen Probleme wie Inkontinenz oder ein Senkungsgefühl auftreten.

Wissenschaftliche Daten zeigen, dass bis zu 30 % der Frauen nach einer spontanen Geburt auch ein Jahr nach der Geburt noch Probleme haben, bis zu 20 % der Frauen klagen weiterhin über eine Urin-, bisweilen auch über Luft- oder Stuhlinkontinenz. In MRT-Untersuchungen finden sich in bis zu 19% Muskelrisse der Beckenbodenmuskeln.

Am Klinikum Darmstadt nehmen wir uns dieser Problematik als eine der größten geburtshilflichen Abteilungen Hessens nun intensiv an, da neuere Erkenntnisse zeigen, dass es wichtig ist, zeitnah nach einer Geburt bei Beschwerden therapeutisch tätig zu werden. Typischerweise wird bei Frauen erst Jahrzehnte später nach den Wechseljahren bei Zunahme von Beschwerden eine Therapie eingeleitet.

Katharina Rechel, leitende Oberärztin der Frauenklinik und Leiterin des Bereichs Beckenboden und Urogynäkologie am Klinikum Darmstadt betont, dass dies viel zu spät sei und man zeitnah nach einer Geburt bereits bei Beschwerden therapeutisch einschreiten soll. Allerdings würde gerade nach einer Geburt häufig falsch vorgegangen: Insbesondere eine frühe Physiotherapie oder Beckenbodentraining im Anschluss an einer Spontangeburt sei eher kontraproduktiv, denn die gedehnten Muskeln und Bänder müssten sich erst wieder festigen. „Das dauert! Ein Beckenbodentraining sollte frühestens nach 6 Monaten, besser nach einem Jahr nach einer Geburt begonnen werden und dann nach Möglichkeit unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder mithilfe einer Biofeedbackmethode“ so die Oberärztin.

Bei Frauen, die noch nach dem Wochenbett, somit 6-8 Wochen nach einer Entbindung, weiter  über Inkontinenzbeschwerden oder das Gefühl einer sie beeinträchtigten Senkung berichten, ist hingegen die Einlage eines sogenannten Pessars sinnvoll, das den Beckenboden stützt. Ähnlich einem Stützverband, den man bei einem gedehnten Knöchel verwenden würde. “In einem solchen Fall würde man ja auch nicht sofort wieder aufs Laufband gehen“, so OÄ Rechel. „Das Pessar wird tagsüber oder bei sportlichen Aktivitäten eingesetzt und abends entfernt, es sollte mindestens ein Jahr getragen werden, viele Frauen verwenden es auch später noch. So lässt sich in ca. 70% eine spätere Operation vermeiden.“

Diesbezüglich sollten die jungen Mütter ihren Frauenarzt/ihre Frauenärztin bei Beschwerden ansprechen, die ein entsprechendes Pessar als Hilfsmittel rezeptieren können. Sollte das nicht helfen, so ist eine Vorstellung in einer Spezialsprechstunde sinnvoll, um andere Möglichkeiten nach einer genauen Diagnostik mit den betroffenen Frauen zu besprechen. Im Klinikum Darmstadt sind mehrere Fach- und Oberärztinnen auf diesen Bereich spezialisiert. „Eine Inkontinenz- oder Senkungstherapie sollte im Jahr 2026 zeitnah nach einer Geburt und nicht erst im Alter stattfinden“ so die leitende Oberärztin.

Mehr Infos auf den Seiten der Frauenklinik und der Geburtshilfe