Fallmanagement – die Patientin im Mittelpunkt der Behandlung

Eine optimale Betreuung mit individueller Pflege des Patienten bringt trotz der höheren Komplexität – für jeden Patienten ist der Pflegeprozess ein anderer – viele Vorteile für Patientinnen und Patienten und schont Ressourcen der Klinik.

Um diese positiven Effekte für beide Seiten umsetzen, beginnt das Klinikum Darmstadt nun mit der Etablierung des Fallmanagements. In anderen Kliniken, beispielsweise dem Klinikum Ingolstadt, wird es bereits seit einiger Zeit erfolgreich umgesetzt. Dort gibt es über 20 Mitarbeitende im Fallmanagement, die Patienten individuell begleiten und diese Methode anwenden.

Wie funktioniert Fallmanagement?

Am Klinikum Darmstadt erprobt Andreas Donner als erster Fallmanager das Konzept. Er ist ausgebildete Pflegefachperson und Pflegediagnostiker und seit Anfang September auf den Stationen 6K, 6O und 6V als Fallmanager tätig. Herausgelöst aus seinem bisherigen Arbeitsalltag, beginnt sein Arbeitstag nun damit, dass er alle Neuzugänge der drei Stationen zunächst anhand der Patientenakten anschaut. So ist sichergestellt, dass kein Patient durchs Raster fällt. Wer könnte davon profitieren, in die sogenannte Steuerung aufgenommen zu werden, ist die übergeordnete Frage, nach der Andreas Donner die Patientenakten prüft.

Betrachtet werden dabei Faktoren wie das Alter, die Hauptdiagnose sowie ggf. bestehende weitere (Vor-)Erkrankungen, die eine reibungslose Behandlung erschweren können. Multimorbidität ist dabei vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten ein Stichwort. Ebenfalls wird die Situation zu Hause in Betracht gezogen, da diese einen wesentlichen Einfluss auf Drehtüreffekte hat.

Abstimmung mit Pflegenden und ärztlichen Dienst

Im nächsten Schritt holt sich Andreas Donner Einschätzungen von Kolleginnen und Kollegen sowie Stationsärzten, die im direkten Umgang mit den Patienten hilfreiche Informationen liefern. Anschließend führt Andreas Donner persönliche Gespräche mit den Patientinnen und Patienten aus seiner sogenannten „Steuerung“. So macht er sich selbst ein Bild der Person und der persönlichen Situation, in der sich die Person befindet: Welche Erwartungen hat sie? Was bedeutet Lebensqualität für ihn? Was möchte er oder sie? Gespräche mit Angehörigen vervollständigen dieses Bild und helfen dabei herauszufinden, in wie weit Angehörige unterstützen können, ob eine Wohn- oder Pflegeeinrichtung in Betracht gezogen werden muss oder selbstständiges Wohnen zu Hause möglich ist.

Kommt beispielsweise eine Reha oder eine Anschlussheilbehandlung für die weitere Genesung in Frage, kann Andreas Donner bereits zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes die Weichen stellen und so für einen zeitlich optimalen Übergang zwischen Krankenhaus und Reha-Einrichtung sorgen. Dies beinhaltet eine frühzeitige Einbindung und enge Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst, sodass dieser alles Notwendige in die Wege leiten kann für eine komplikationslose Entlassung.

Nicht nur für Anschlussbehandlungen nach dem Krankenhausaufenthalt ist das Fallmanagement wichtig. Auch im Krankenhaus soll der Pflegeprozess individuell gestaltet und der Patient im Umgang mit seiner Erkrankung geschult werden. Ist bekannt, dass die Patientin zu Hause wohnt und dort Treppen bewältigen muss, übt die Physiotherapie gezielt das Treppensteigen und bereitet die Patientin optimal auf zu Hause vor, um weiterhin eine größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen.

Mit den Ärzten bespricht Andreas Donner, welche Untersuchungen und Therapien für den Patient geplant sind. Auch hier ist ein individueller Behandlungsprozess von entscheidender Bedeutung: Den Patienten aufklären, die Optionen aufzeigen und Konsequenzen darlegen und ihm schließlich die Entscheidung überlassen, was er für sich und sein Leben möchte. Der Patient wird somit als aktiver Entscheider in seinen Behandlungsprozess eingebunden und kann ihn individuell mitgestalten. Ziel ist es dabei, die Diskrepanz zwischen „Was steht dem Patient dem System nach zu?“ und „Was will er wirklich?“ zu verringern. Ein Beispiel: Jeder Patient hat nach einer Amputation das Recht auf eine Prothese. Die Frage zu stellen, ob er oder sie dieses Hilfsmittel überhaupt möchte und ob er oder sie in der Lage ist (körperlich und kognitiv) zu lernen, mit dem Hilfsmittel umgehen ist ein erster Schritt, um mehr Individualität im Pflegeprozess sicherzustellen.

Vorteile und weitere Schritte des Fallmanagements

Mit diesem neuen Konzept des Fallmanagements setzt sich das Klinikum Darmstadt noch mehr dafür ein, den Mensch und das Leben in den Mittelpunkt zu stellen und Pflege auf seine Bedürfnisse hin auszurichten.

Individuelle Pflege – eine auf den Patienten und seine Bedürfnisse abgestimmte Behandlung – ist das ehrgeizigste Ziel, das sich Pflege und Medizin stecken können. Jeder Patient und jede Patientin bekommt genau die Therapie, Anwendung und Hilfestellung, die für ihn oder sie optimal ist, um die Lebensqualität zu erhalten. Auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen, fördert und fordert die Eigenmotivation von Patienten sowie das aktive Mitwirken. Dies führt dazu, dass Patientinnen, Patienten sowie deren Angehörige zufriedener sind, steigert die Therapietreue und stabilisiert die Patienten in ihrem Umfeld. Für das Klinikum Darmstadt bedeutet das Fallmanagement, dass die Verweildauer gesenkt werden kann, die Anzahl von Krankenhausaufenthalten reduziert und Drehtüreffekte verhindert werden können.

Ende des Jahres wird das Fallmanagement bewertet. Nach einer positiven Evaluation ist eine weitere Einführung im ganzen Haus ab 2020 geplant.

Pflege

Sabine Brase
Pflegedirektorin

Grafenstraße 9 
64283 Darmstadt

Tel.: 06151-107 5701 
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