„Ein Schlaganfall ist eine bedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankung mit weitreichenden Folgen: Jährlich erleiden zirka 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall“, sagt Prof. Dr. Rainer Kollmar, Direktor der Klinik für Neurologie und Neurointensivmedizin am Klinikum Darmstadt. Statistisch gesehen erleidet jeder sechste Mensch im Laufe seines Lebens einen Schlaganfall. Ein Schlaganfall lässt sich häufig verhindern, wenn Risikofaktoren erkannt und wirksam behandelt werden. Falls allerdings Symptome eines Schlaganfalls auftreten, muss extrem schnell gehandelt werden und unverzüglich eine Vorstellung im Krankenhaus erfolgen.
Ein Schlaganfall kann das Leben von einer Minute auf die andere verändern. Dabei wird das Gehirn „schlagartig“ nicht mehr mit ausreichend Blut und Sauerstoff versorgt. Unter dem Begriff „Schlaganfall“ werden eine kritische Minderdurchblutung im Gehirn sowie eine Einblutung ins Gehirn verstanden. Die klinischen Symptome unterscheiden sich allerdings nicht. Bei einer Minderdurchblutung wird die Blutzufuhr zu bestimmten Teilen des Gehirns kritisch unterbrochen, sodass dieses Hirngebiet nicht mehr mit lebensnotwendigem Sauerstoff und Zucker versorgt wird. In Abhängigkeit von Ausmaß der Minderdurchblutung und Dauer kommt zu einer Funktionsstörung des Gehirns mit entsprechenden Symptomen. Je länger diese Funktionsstörung anhält, desto geringer sind die Chancen, dass sich das Gehirn wieder erholt. Bei einer Hirnblutung kommt es zu einer Einblutung ins Gehirngewebe und durch die Verdrängung von Hirngewebe zu einer Funktionsstörung. Besonders wichtig ist es, Symptome eines Schlaganfalls zu erkennen. Hierzu gehören beispielsweise eine Lähmung, Gefühlsstörung, Sehstörung, Sprachstörung oder plötzlicher Schwindel.
Falls diese Symptome auftreten, wenn auch nur wenige Minuten, oder auch bei Unsicherheit, ob es sich um Schlaganfallsymptome handelt, muss sofort der Rettungsdienst verständigt werden, um die Diagnose zu sichern und eine wirksame Behandlung durchzuführen. „Patient*innen mit Schlaganfallsymptomen müssen umgehend in einem Krankenhaus mit einer speziellen Schlaganfalleinheit, einer Stroke-Unit vorgestellt werden, um schnell und effektiv zu handeln“, erklärt Prof. Dr. Kollmar. Das Klinikum Darmstadt verfügt über eine der größten Stroke-Units in Hessen. Nur durch eine schnelle Diagnostik mittels Computertomographie oder MRT kann eine Minderdurchblutung von einer Hirnblutung unterschieden werden. Da diese Erkrankungen in ihrer Ursache ganz unterschiedlich sind, sollte im Akutfall auch keine häusliche Selbstmedikation wie die akute Einnahme von gerinnungshemmenden Substanzen erfolgen.
Im Falle einer Minderdurchblutung besteht das Therapieziel in der Klinik in einer Wiederherstellung des Blutflusses durch bestimmte Medikamente (Thrombolyse) oder sogenannte interventionelle Verfahren. Bei 10 bis 15 Prozent der Patient*innenen lässt sich das Blutgerinnsel zudem durch interventionelle Verfahren entfernen, die sogenannte Thrombektomie. „Bei der Thrombektomie wird durch einen über eine Leistenpunktion eingeführten Mikrokatheter der Thrombus aus der Hirnarterie entfernt. Dieses Verfahren ist am Klinikum Darmstadt rund um die Uhr verfügbar und liefert extrem gute Ergebnisse“, schildert Prof. Dr. Marius Hartmann, Direktor des Instituts für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin am Klinikum. Hierfür ist ein schnelles und zielgerichtetes Zusammenspiel der Fachdisziplinen Neurologie, Neuroradiologie und Anästhesie notwendig. Thrombektomien werden in Vollnarkose durchgeführt.
„Bei großen Schlaganfällen oder auch bei Hirnblutungen ist eine Operation häufig die einzige Option, Leben und Funktion zu erhalten“, so PD Dr. Karsten Geletneky, der die Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Darmstadt leitet. Auf der Schlaganfallstation werden die Patienten dann überwacht, um eine mögliche Verschlechterung zu erkennen, aber auch Ursachen zu detektieren.
Ursachen eines Schlaganfalls können beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Gefäßengstellen, Gerinnungsstörungen oder eine Kombination vieler Risikofaktoren sein. Je nach Ursache findet eine spezifische Therapie statt. So lassen sich Gefäßengstellen entweder operieren oder auch mittels Stent behandeln. Nach einem Schlaganfall ist eine Rehabilitation entscheidend, um die Funktionen des Körpers wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern. Dies kann Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie und psychologische Unterstützung umfassen. Es ist durchaus möglich, Schlaganfälle zu verhindern durch eine gesunde Lebensweise, Blutdruckkontrolle sowie Cholesterin- und Blutzuckerkontrolle.
Was kann man tun, um einem Schlaganfall vorzubeugen? :
- Gesunde Lebensweise: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, die Vermeidung von Tabak und übermäßigem Alkoholkonsum sowie die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts können das Risiko eines Schlaganfalls reduzieren.
- Blutdruckkontrolle: Ein hoher Blutdruck ist ein Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle. Regelmäßige Überwachung und Kontrolle des Blutdrucks sind wichtig, um das Risiko zu minimieren.
- Cholesterin- und Blutzuckerkontrolle: Hohe Cholesterin- und Blutzuckerwerte erhöhen ebenfalls das Schlaganfallrisiko. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige ärztliche Untersuchungen können dabei helfen, diese Werte im Griff zu behalten.
- Regelmäßige ärztliche Untersuchungen: Regelmäßige ärztliche Untersuchungen können helfen, potenzielle Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Prof. Rainer Kollmar hält am 25. November um 18 Uhr einen Vortrag mit dem Thema: „Schlaganfall: erkennen, behandeln und verhindern“. Veranstaltungsort ist der Vortragsraum Grafenstraße im Klinikum.
Das Motto des Welt-Schlaganfalltags lautet: „Ein Schlaganfall trifft nie einen Menschen allein“ und soll die Angehörigen in den Mittelpunkt stellen.
