Eine kleine Metall-Tafel an einem der Pfeiler auf dem Vorplatz des Klinikums mahnt den Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte an: das Recht auf Wohlfahrt und damit auf Gesundheit und Fürsorge. Aufgehängt auf Initiative von Amnesty International Bezirk Darmstadt. Mit einem „Pfad der Menschenrechte“ an verschiedenen Orten in Darmstadt möchte die Gruppe auf die verschiedenen Rechte aufmerksam machen. Am Klinikum gibt es nun die neunte Station. „In den Zimmern von Krankenhäusern werden nicht nur Patientinnen und Patientenversorgt, gepflegt und geheilt, sondern im besten Fall Würde, Mitgefühl und Menschlichkeit gelebt“, so Andrea Suppmann von Amnesty International in Darmstadt.
Anlässlich der feierlichen Enthüllung der Tafel sprach auch Dr. Cihan Çelik, Sektionsleiter der Pneumologie, der sich insbesondere für dieses Menschenrecht einsetzt. Er hatte auch seinen Vater mitgebracht, der in der Türkei Mitglied von Amnesty International ist. „Gesundheit ist kein Luxus. Es ist ein universelles Menschenrecht. Doch aktuell sehen wir, wie es von verschiedenen Seiten bedroht wird. In Deutschland zeigt sich das beispielsweise durch Zugangsbarrieren: kleine Zuzahlungen, Termin-Hürden, bürokratisches Dickicht, fehlender Versicherungsschutz für wohnungslose und marginalisierte Menschen. Für Wohlhabende sind diese Hürden oft irrelevant. Für Arme entscheiden sie über den Zugang zu medizinischer Versorgung“, so der Arzt. Er sprach auch über die Wichtigkeiten von Hilfsorganisationen, die Versorgungslücken schließen und Verstöße sichtbar machten und dokumentieren. Diese hätten auch Ärztinnen und Ärzte: Als Ärztinnen und Ärzte tragen wir Verantwortung über das Krankenbett hinaus. Wir müssen Missstände benennen, Erfahrungen und Daten in politische Prozesse einbringen, die Öffentlichkeit informieren und uns klar für gleiche Versorgung einsetzen.
Mitgebracht hatte Amnesty International auch einige Petitionen zum Unterschreiben, beispielsweise für Menschen, denen in Haft keine ausreichende medizinische Hilfe zukommt. „Das Gesundheitssystem steht selbst unter Druck, aber eine Gesellschaft ist nur gerecht, wenn sie auch die Schwächsten schützt“, sagt Dorothea Wolf von Amnesty International. „Menschlichkeit entsteht dort, wo Menschen bereit sind, sich dafür einzusetzen“, so das Schlusswort von Antje Veldman.
Das Video von der Veranstaltung und weitere Infos gibt es hier https://www.youtube.com/watch?v=8u8bgd-GXsI
und hier Pfad der Menschenrechte – Bezirk Darmstadt.
Artikel 25 (Recht auf Wohlfahrt)
Jeder Mensch hat das Recht auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl für sich selbst und die eigene Familie gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust der eigenen Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.
Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz.

