„Das ist eine Innovation am Klinikum Darmstadt. Wir haben heute den ersten kabellosen Schrittmacher implantiert“, freut sich Prof. Dr. Philip Wenzel, Direktor der Med I. Das Gerät ist nur eine etwa vier Zentimeter lang, ungefähr so groß wie ein Dübel.
Konventionelle Herzschrittmacher (Impulsgeber) sitzen unterhalb des Schlüsselbeins, sind unter der Haut auch von außen sichtbar, und werden durch zwei Elektroden mit dem Herzen verbunden. Der kabellose Herzschrittmacher wird direkt in eine oder je nach System in beide Herzkammern eingesetzt.
Der große Vorteil dieser Methode: Es kommt seltener zu Entzündungen und anderen Komplikationen. Denn bei der bisherigen Herzschrittmachertherapie ist es während der ersten sechs Monate postoperativ bei bis zu zehn Prozent aller Patient*innen zu Komplikationen gekommen: Infektionen, Elektrodenbrüchen oder Isolationsdefekten. Außerdem besteht bei herkömmlichen Schrittmachern immer auch das Risiko, dass während der Implantation Luft in das Rippenfell eindringt (sog. Pneumothorax).
Besonders profitieren Patient*innen von dieser Methode, die regelmäßig zur Dialyse müssen und deshalb einen Shunt haben. „Implantiert man einen herkömmlichen Herzschrittmacher, kann der linke Arm nicht mehr für Dialysezugänge verwendet werden, dieses Problem hat man bei den kabellosen Modellen nicht“, erklärt Dr. Thomas Keuser, der gemeinsam mit Dr. Juliane Werner, den ersten kabellosen Herzschrittmacher dem Patienten im Klinikum eingesetzt hat. Implantiert wird das Gerät über eine Vene in der Leiste.
Herzschrittmacher werden seit 1958 implantiert und sind die effektivste Form der Behandlung symptomatischer Bradykardien (langsamer Herzschlag) oder Asystolien. Wurden die ersten Herzschrittmacher-Systeme noch mit Vollnarkose und am offenen Herzen implantiert, ist es mittlerweile ein Routineeingriff, der unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann und meistens nicht länger als eine knappe Stunde dauert. Entsprechend der demografischen Entwicklung wird auch die Implantation von Herzschrittmachern weiter zunehmen. Auch hier zeigt sich der Vorteil des neuen Systems, denn insbesondere ältere Menschen oder Patienten mit vielen Begleiterkrankungen profitieren besonders von dem kabellosen Herzschrittmacher.
