Lymphozyten sind eine Unterart der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die für entscheidende Funktionen des Immunsystems verantwortlich sind. Durch die maligne (bösartige) Entartung von Lymphozyten in verschiedenen Reifungsstufen und Untergruppen kann es zur Entstehung von malignen Lymphomen (Lymphknotenkrebs) kommen. Die sogenannten B-Zell-Lymphome machen einen Großteil der Erkrankungen aus, in ungefähr 10-15% liegen die seltenen T-Zell-Lymphome vor.
In erster Linie soll hier auf B-Zell-Lymphome bzw. auf die sogenannten B-Non-Hodgkin-Lymphome (B-NHL) eingegangen werden. Eine grobe Unterteilung dieser Gruppe erfolgt in aggressive und indolente (langsam wachsende) Lymphome. Prognose, klinische Verläufe und die therapeutische Vorgehensweise unterscheiden sich beträchtlich zwischen den verschiedenen Untergruppen.
Auffällig werden Lymphome durch anhaltende Lymphknotenvergrößerungen, durch sogenannte B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), durch Veränderungen des Blutbildes infolge einer Knochenmarkbeteiligung, durch eine Vergrößerung der Milz mit entsprechendem Druckgefühl oder auch durch ganz unspezifische Symptome infolge von Organbeteiligungen verschiedenster Art oder Phänomene des eigenen Immunsystems. Im Allgemeinen ist eine Gewebeentnahme zur Diagnosestellung erforderlich, gefolgt von einer Ausbreitungsdiagnostik (Staging) durch radiologische Verfahren (u.a. Computertomographie/PET-CT) und durch eine Punktion des Knochenmarkes.
Bei den langsam wachsenden (indolenten) Lymphomen kann mitunter die Erkrankung über Jahre bis Jahrzehnte kontrolliert werden („watch and wait“), ohne dass eine Therapie erforderlich ist. In frühen Stadien nimmt die Strahlentherapie eine entscheidende Rolle als Primärtherapie ein. In den fortgeschrittenen Stadien der indolenten Lymphome (bei Therapiebedürftigkeit) und bei aggressiven Lymphomen war bis vor wenigen Jahren eine Kombination aus Antikörpern gegen eine spezifische Zielstruktur der Krebszellen kombiniert mit „klassischer“ Chemotherapie der Standard. Mittlerweile werden verschiedene Antikörper kombiniert mit Chemotherapie oder oralen Substanzen oder es werden sogenannte „Kinaseinhibitoren“ in Tablettenform („small molecules“) einzeln oder in Kombination verabreicht. Eine bewährte Therapieform ist bei einzelnen Subgruppen weiterhin die sogenannte Hochdosistherapie mit Rückgabe zuvor gesammelter eigener Stammzellen („Autologe Stammzelltransplantation“), die am Klinikum Darmstadt seit über 15 Jahren erfolgreich durchgeführt wird.
Eine besonders innovative Form der Immuntherapie ist die Behandlung mit sogenannten „Bispezifischen Antikörpern“. Hierbei handelt es sich um Antikörper, die eine Verbindung zwischen der Tumorzelle (bösartige B-Zelle) und einer Subgruppe der gesunden T-Zellen herstellt, damit die Zelle als Teil der körpereigenen Abwehr die entartete Zelle angreifen und zerstören kann. Dieses moderne Verfahren wurde im vergangenen Jahr in der „Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin“ am Klinikum Darmstadt etabliert und hält sogar langsam Einzug in die Therapie solider Krebserkrankungen wie zum Beispiel beim Lungenkrebs. Weitere wichtige Therapiebausteine in der Therapie des Lymphknotenkrebses sind die „Allogene Stammzelltransplantation“ und die Therapie mit sogenannten „CAR-T-Zellen“ – hier existiert am Klinikum Darmstadt eine enge Kooperation mit universitären Zentren mit mehrfachen monatlichen Konferenzen zur Planung der Therapie für unsere Patientinnen und Patienten.
Durch die modernen Therapieformen verbessert sich die Prognose unserer Patientinnen und Patienten deutlich. Neben der Prognoseverbesserung wird gleichzeitig das Management der Nebenwirkungen anspruchsvoller, so dass neben der eingehenden Aufklärung unserer Patientinnen und Patienten ein entsprechender Austausch und die Schulung innerhalb der Klinik und mit den betreuenden Praxen ganz entscheidend ist. An einem zertifizierten Zentrum für Lymphome und Leukämien finden sich optimale Voraussetzungen für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Lymphomen, da hier im Sinne der Interdisziplinarität alle Strukturen vorgehalten werden.

Dr. Thorsten Wenzel, stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik V
