Leberzellkrebs (HCC) ist weltweit eine der häufigsten Krebserkrankungen und weist die vierthöchste Mortalität aller Krebserkrankungen auf. Im Jahr 2020 erkrankten über 900.000 Menschen weltweit an dieser Krebsart. In Deutschland ist die Erkrankung eher selten mit derzeit über 9.000 Fällen pro Jahr, wobei die Häufigkeit in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Rund 80% der weltweiten Erkrankungsfälle betreffen südostasiatische Länder und die südlich der Sahara gelegenen Länder Afrikas.
Die Ursachen für HCCs sind weltweit sehr unterschiedlich. Aber die Mehrzahl der Fälle entsteht in Folge einer langanhaltenden Schädigung der Leber. Diese führt über Jahre hinweg zu einer Bindegewebsvermehrung (Fibrose), die im weiteren Verlauf in eine zunehmende Vernarbung des Lebergewebes, eine sogenannte Leberzirrhose, übergeht. In Deutschland entsteht Leberkrebs meist in Folge eines zu hohen Alkoholkonsums oder einer chronisch verlaufenden Hepatitis C.
Die Zunahme der Erkrankung ist in der westlichen Welt im Wesentlichen eine Folge der alkoholischen, wie nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung. Diese wiederum ist meist bedingt durch Fehlernährung, Übergewicht und ein Mangel an körperlicher Aktivität. Rauchen ist ein unabhängiger Risikofaktor. Sehr seltene Ursachen sind Stoffwechselerkrankungen, wie z.B. die Eisenspeicher- oder Kupferspeicherkrankheit oder auch autoimmune Lebererkrankungen.
In Südostasien, im südlichen Afrika oder tropischen Ländern ist die häufigste Ursache die chronische Infektion mit einer Hepatitis B und C sowie eine mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxine) belastete Ernährung oder auch Leberparasiten.
Zu beachten ist, dass die Kombination von Risikofaktoren zu einer deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko führt. Die Kenntnis der Risikofaktoren führt direkt zu den möglichen Präventivmaßnahmen. Impfungen, wie sie seit 1995 in Deutschland allgemein empfohlen wird, verhindern eine Hepatitis-B-Virusinfektion. Schutz vor Hepatitis C bietet die Vermeidung von Kontakt mit blutkontaminierten Gegenständen, wie z.B. gebrauchte Spritzen, Drogenbestecke, Rasiermesser sowie das Praktizieren von Safer Sex. Chronische Infektionen mit Hepatitis B oder C Viren sollten nach Möglichkeit behandelt werden. Weiterhin sollten Alkohol- und Nikotinkonsum vermieden und auf eine gesunde Ernährung geachtet werden. Patienten mit nicht-insulinabhängigem Diabetes mellitus sollten eine Therapie mit Metformin erhalten, was dann zu einer Risikoreduktion führt. Leiden sie bereits an einem chronischen Leberschaden wird ein regelmäßiger Kaffeekonsum empfohlen. Dabei ist der protektive Effekt bei drei und mehr Tassen Kaffee pro Tag am höchsten ausgeprägt und erreicht eine Risikoreduktion von 40-50%. Zudem wird in diesem Fall eine lebenslange Alkoholabstinenz empfohlen.
Was kann ich noch tun um mein Risiko einer HCC-Erkrankung zu reduzieren?
Neben den hier aufgeführten Präventivmaßnahmen sollten Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein HCC, also Patienten mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung, wie z.B. Leberfibrose und vor allem Zirrhose oder einer anhaltenden, chronischen Virushepatitis sowie einer entsprechenden Stoffwechselerkrankung an entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Diese sind von großer Bedeutung, da es keine Symptome gibt, die ganz speziell auf ein HCC hinweisen.
Symptome wie allgemeine Schwäche, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust oder Druckgefühle im Oberbauch sind zu unspezifisch. Mit Hilfe von Vorsorgeuntersuchungen kann ein HCC in einem frühen Stadium erkannt und durch effektive Behandlungsmethoden häufig geheilt werden.
Zur Vorsorge kommt vor allem eine hochwertige Ultraschalluntersuchung der Leber zum Einsatz. Diese sollte alle sechs Monate erfolgen. Bei Unklarheiten kann ein Kontrastmittel unterstützte Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden und bei Bedarf um eine Kernspintomographie der Leber (MRT) oder eine Computertomographie (CT) ergänzt werden. Zudem kann die regelmäßige Bestimmung eines speziellen Tumormarkers (AFP) hilfreich sein.
Sollte ein HCC festgestellt worden sein ist die Erkrankung vor allem in den frühen Stadien heilbar. Hier kommen die operative Resektion von Leberteilen sowie auch eine Lebertransplantation in bestimmten Fällen in Frage. Zudem können HCCs durch lokale Verfahren mit z.B. Mikrowellen zerstört werden. In fortgeschrittenen Stadien besteht die Möglichkeit, durch minimalinvasive Verfahren wie z.B. Chemoembolisation des Tumors und seiner zuführenden Blutgefäße zu behandeln und so lange wie möglich aufzuhalten. Zudem wurden in den letzten zwei Jahren große Fortschritte in der medikamentösen Therapie, vor allem durch Immuntherapien, erzielt. Diese zeichnen sich im Vergleich zu herkömmlicher Chemotherapie durch eine sehr gute Verträglichkeit aus.
Trotz aller Fortschritte in der HCC-Therapie ist es deutlich besser individuelle Risiken zu erkennen und entsprechend vorbeugende Maßnahmen zu treffen.
Medizinische Klinik II - Gastroenterologie, Hepatopankreatologie, Endokrinologie und Pneumologie
