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Neurozentrum am Klinikum Darmstadt

Interventionelle Therapie für eine Vielzahl akuter und chronischer Erkrankungen

Das Neurozentrum am Klinikum Darmstadt besteht aus den Kliniken für Neurologie und Neurointensivmedizin, Neurochirurgie und dem Institut für Radiologie und Neuroradiologie. Es hat sich unter Leitung der Radiologie und Neuroradiologie durch Prof. Dr. Marius Hartmann seit Januar 2024 zu einem überregionalen Anlaufpunkt für moderne und minimalinvasive Eingriffe an den Hirngefäßen entwickelt. Die enge Verzahnung von Neurologie, Neurochirurgie und insbesondere der interventionellen Neuroradiologie ermöglicht es, schwerwiegende neurologische Notfälle und Zufallsbefunde wie Gefäßverschlüsse bei Schlaganfällen, Stenosen der hirnversorgenden Gefäße, Aneurysmen, Gefäßmissbildungen oder chronische Subduralhämatome mit hochpräzisen Katheterverfahren zu behandeln. Die Teams arbeiten dabei rund um die Uhr zusammen – ein Modell mit einer enormen Bedeutung für die Region Südhessen.

Eine herausragende Rolle spielt die Akutversorgung von Schlaganfällen, insbesondere wenn ein großer Hirnarterienast verschlossen ist. Dabei stellt die überregional zertifizierte Stroke-Unit der Klinik für Neurologie eine der größten Schlaganfalleinheiten Deutschlands dar. Bei spezifischen Arten von Schlaganfällen den sogenannten Großgefäßverschlüssen kommt im Neurozentrum routinemäßig die mechanische Thrombektomie zum Einsatz. Dabei wird der Blutpfropf mittels eines Mikrokatheters direkt aus der Hirnarterie entfernt, wodurch sich die Durchblutung oft innerhalb weniger Minuten wiederherstellen lässt. Die Behandlung erfolgt häufig noch in der gleichen Stunde nach Eintreffen der Patientinnen und Patienten im Klinikum. Sie gilt als die effektivste Methode, um schwere Behinderungen nach einem Schlaganfall zu verhindern, und ist ein zentraler Bestandteil des regionalen Rettungskonzeptes.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Hirnaneurysmen. Wo früher eine offene Operation nötig war, reicht heute in vielen Fällen ein kleiner Zugang über die Leisten- oder Armarterie. Die Spezialistinnen und Spezialisten führen den Katheter bis in das betroffene Hirngefäß und verschließen das Aneurysma von innen, meist mit feinsten Platinspiralen. Für komplexere Fälle stehen Stent-unterstützte Verfahren oder sogenannte Flow-Diverter zur Verfügung, die den Blutstrom umleiten und die Gefäßwand entlasten. Für die Betroffenen bedeutet das eine deutlich geringere Belastung und oft eine kürzere Genesungszeit als bei herkömmlichen Operationen. Ca. 25% der Patientinnen und Patienten mit Aneurysma benötigen jedoch einen operativen Eingriff. „Aufgrund unserer großen operativen Erfahrung ist eine Ausschaltung des Aneurysmas bei uns sehr gut durchführbar“, so PD Dr. Geletneky, Direktor der Klinik für Neurochirurgie.

Neben akuten Gefäßverschlüssen behandelt das Neurozentrum auch Engstellen der hirnversorgenden Arterien – sowohl außerhalb des Schädels, etwa an der Halsschlagader, als auch innerhalb des Kopfes. Mittels Stentimplantationen können diese Stenosen erweitert werden, wodurch das Schlaganfallrisiko langfristig deutlich sinkt. Diese Verfahren sind besonders für Patientinnen und Patienten geeignet, bei denen eine Operation am Hals zu risikoreich wäre oder anatomische Besonderheiten vorliegen. Durch die interventionelle Expertise steht den Betroffenen damit eine sichere und schonende Alternative zur chirurgischen Behandlung zur Verfügung.

Zu den jüngsten Entwicklungen zählt die Behandlung des chronischen Subduralhämatoms mittels Embolisation der Arteria meningea media. Diese Methode ersetzt bei vielen Patientinnen und Patienten den operativen Eingriff und gilt als vielversprechende Alternative, insbesondere für ältere Menschen, bei denen ein chirurgischer Eingriff oft mit Risiken verbunden ist. dabei zeigt sich bereits nach wenigen Tagen eine deutliche Rückbildung der Blutung – selbst bei hochbetagten Betroffenen. Die Darmstädter Interventionsteams gehören bundesweit zu denen, die das Verfahren früh etabliert und weiterentwickelt haben.

Auch bei der idiopathischen intrakraniellen Hypertension, einer Erkrankung, die oft mit Kopfdruck, Sehstörungen oder pulsierendem Tinnitus einhergeht, besteht im Neurozentrum die Chance auf kathetergestützte Eingriffe. „Wenn sich eine Engstelle im Bereich der großen Hirnvenen findet, die den Blutabfluss behindert, kann dies zu erhöhtem Hirndruck führen. In diesen Fällen kann durch die Implantation eines venösen Stents diese Engstelle erweitert werden. Der Abfluss normalisiert sich in vielen Fällen unmittelbar, und die Beschwerden gehen oft deutlich zurück“, so Prof. Dr. Marius Hartmann. Das Verfahren kann daher eineAlternative zu neurochirurgischen Shunt-Anlagen bieten und wird am Klinikum Darmstadt interdisziplinär für den einzelnen Patientenfall besprochen.

Ein weiteres Feld, in dem das Neurozentrum eine Schlüsselrolle einnimmt, ist die Behandlung arteriovenöser Fisteln und Malformationen. Diese Gefäßverbindungen sind selten, aber gefährlich, da sie sowohl Hirnblutungen als auch pulsierende Geräusche im Ohr verursachen können. Die interventionelle Therapie erfolgt meist durch das gezielte Verschließen der krankhaften Gefäße mittels Mikrokathetern und speziellen Embolisationsmaterialien. Häufig gelingt es, die Symptome vollständig zu beseitigen und das Risiko schwerer Komplikationen langfristig zu reduzieren. Bei besonders komplexen Befunden kooperieren Neuroradiologie und Neurochirurgie unmittelbar, was kurze Entscheidungswege und eine individuelle Therapie ermöglicht.

Das Neurozentrum profitiert dabei von einer modernen technischen Ausstattung, die von hochauflösenden MRT- und CT-Systemen bis zu intraoperativen Bildgebungsverfahren reicht. Für Notfälle stehen die Systeme rund um die Uhr bereit, wodurch Schlaganfälle, Hirnblutungen oder Gefäßverschlüsse ohne Verzögerung diagnostiziert und behandelt werden können. Die intensive Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen, insbesondere auf der Neurointensivstation, hat die Abläufe in den vergangenen Jahren weiter beschleunigt. Die Devise lautet: Jeder Handgriff muss sitzen, denn bei Erkrankungen des Gehirns entscheidet oft jede Minute über das Ergebnis.

Für Südhessen ist das Neurozentrum ein zentraler Baustein der neurologischen und neurochirurgischen Versorgung auf universitärem Niveau und einer ganz persönlichen, Patientennahen Komponente. „Wir zeichnen uns neben der Fachlichkeit durch unsere hervorragende Teamarbeit und niedrigschwellige Lösungsorientierte, patientenzugwandte Medizin aus. Besonders ist neben unserer exzellenten Zusammenarbeit die neurologische Versorgung unserer Patienten über die Zentrale Notaufnahme, die der 24 Stunden am Tag ein Neurologe vor Ort ist, die überregional-zertifizierte Stroke Unit, die neurologisch geleitetet Intensivstation sowie unsere weiteren fachspezifischen Sprechstunden und Stationen. Besonders ist auch die gemeinsame Arbeit mit unserer Kollegen aus der Anästhesie und der Gefäßklinik“, so Prof. Dr. Kollmar, Sprecher des Neurozentrums und Direktor des Klinikums für Neurologie und Neurointensivmedizin am Klinikum Darmstadt.