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Was ist eine Sauerstofftherapie?

Gesundheitstipp von Luka Stavljanin, Oberarzt und Facharzt für Pneumologie in der Medizinischen Klinik II in der Medizinischen Klinik II

Unsere Lunge ist ein lebenswichtiges Organ. Ihre Hauptaufgabe besteht im Gasaustausch bzw. Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid.

Sauerstoff ist ein Gas und macht ca. 21 Prozent der Raumluft aus. Die Lunge nimmt Sauerstoff aus der Luft auf und leitet sie in den Blutkreislauf. Der Gasaustausch findet in den Lungenbläschen (Alveolen) statt. Sauerstoff wird benötigt, um den Körper mit Energie zu versorgen. Ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr funktionieren die Zellen schlecht und sterben schließlich.

Viele Lungenerkrankungen, z.B. COPD, Lungenfibrose, Lungenhochdruck, Lungenkrebs sowie einige Herzerkrankungen, etwa chronische Herzinsuffizienz, rufen einen Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) hervor. Im fortgeschrittenen Stadium der genannten Erkrankungen kann es zusätzlich zu einem erhöhten Kohlendioxidpartialdruck im Blut (Hyperkapnie) kommen.

Falls eine relevante Hypoxämie vorliegt, brauchen Patienten die Sauerstofftherapie. Früher verabreichten Ärzt*innen vielen kranken Menschen zusätzlichen Sauerstoff. Allerdings wurde nachgewiesen, dass Sauerstoff nur dann hilft, wenn der Sauerstoffgehalt der Patient*innen tatsächlich niedrig ist. Eine zu starke Sauerstoffzufuhr kann die Lunge nach einer gewissen Zeit schädigen.

Blutgase können mittels einer Blutgasanalyse bestimmt werden. Dabei ist es möglich, Sauerstoffsättigung sowie Sauerstoffpartialdruck und Kohlendioxidpartialdruck zu messen.

Darüber hinaus kann man die Sauerstoffsättigung mittels eines Fingersensors (Pulsoxymetrie) ermitteln. Die normalen Werte sind:

1. Sauerstoffsättigung 94 bis 98 Prozent

2. Sauerstoffpartialdruck  65-100 mmHg

3. Kohlendioxidpartialdruck 35-46 mmHg

 

Die Sauerstofftherapie ist eine Behandlung, bei welcher der Lunge zusätzlicher Sauerstoff zugeführt wird, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut zu niedrig ist. Falls es im Blut eines Patienten einen erhöhten Kohlendioxidpartialdruck gibt, sollen die Ärzte je nach Schwere der Hyperkapnie zusätzlich eine Beatmungstherapie einleiten.

 

Wann wird Sauerstoff verwendet ?

Manche Patient*innen mit einer chronischen Lungenerkrankung müssen sich nur bei einem akuten

Schub (Exazerbation) ihrer Krankheit für kurze Zeit einer Sauerstofftherapie unterziehen. Die Sauerstofftherapie kann man in einigen Fällen über etwa vier bis acht Wochen fortsetzen. Anschließend kann ein Lungenarzt nach Besserung der Hypoxämie die Therapie beenden.

Patient*innen, bei denen der Sauerstoffgehalt im Blut konstant niedrig ist, benötigen eine dauerhafte Sauerstofftherapie (Heimsauerstofftherapie oder Langzeitsauerstofftherapie). Im Vorfeld müssen aber alle medikamentösen Therapieformen ausgeschöpft werden. Die Indikation für eine Langzeitsauerstofftherapie liegt bei einem Sauerstoffsättigung ≤ 92 Prozent oder bei einem Sauerstoffpartialdruck ≤ 55 mmHg vor.

Die Mindestdauer der Heimsauerstofftherapie beträgt 15 Stunden/Tag. Die Beobachtungsstudien haben keinen Vorteil einer 24-Stunden Therapie nachgewiesen.

Unabhängig von ihrer Auswirkung auf die Sterblichkeit verbessert die langfristige Abgabe von Sauerstoff aber die Kurzatmigkeit und verringert die Belastung des Herzens, die mit einer Lungenerkrankung einhergeht. Sowohl die Schlafqualität als auch die körperliche Belastungsfähigkeit verbessern sich.

Bei manchen Menschen mit einer chronischen Lungenerkrankung tritt der Sauerstoffmangel nur bei körperlicher Belastung auf. Bei ihnen kann die Sauerstoffgabe auf den Zeitraum der Belastung begrenzt werden. Solchen Patient*innen wird ein mobiles Sauerstoffgerät verordnet. Andere Menschen leiden nur im Schlaf unter Sauerstoffmangel. Bei ihnen sollte eine Vorstellung im Schlaflabor erfolgen.

 

Sauerstoffsysteme

Für eine Heimsauerstofftherapie gibt es drei Systeme:

• Sauerstoffkonzentratoren

• Flüssigsauerstoffsysteme

• Sauerstoffflasche

 

Ein Sauerstoffkonzentrator ist ein elektrisches Gerät, das den Sauerstoff vom Stickstoff in der Luft trennt und den Patient*innen mit Lungenerkrankung ermöglicht, Luft mit erhöhtem Sauerstoffgehalt zu atmen. Weil das System den Sauerstoff der Raumluft entzieht, braucht der Patient keine zusätzliche Sauerstoffflasche zu tragen. Man unterscheidet ein Stand- und ein Mobilekonzentrator. Diese Geräte sind in der Lage, eine Sauerstoffflußrate bis vier Liter pro Minute zu gewährleisten.

Bei einem Flüssigsauerstoffsystem wird Sauerstoff unter sehr kalten Bedingungen als Flüssigkeit gespeichert. Dieses Sauerstoffsystem verordnen die Ärzte im Falle eines erhöhten Sauerstoffbedarfs ab fünf Litern pro Minute.  Bei einem Druckgassystem wird der Sauerstoff in einem Metallbehälter unter Druck gespeichert und beim Einatmen freigesetzt.

Die Systeme mit flüssigem oder komprimiertem Sauerstoff benötigen Platz für die relativ großen Sauerstoffbehälter. Diese Sauerstoffbehälter werden regelmäßig von einem

Heimpflegeunternehmen nachgefüllt. Außerhalb des Hauses können kleine, tragbare Behälter mit komprimiertem oder flüssigem Sauerstoff oder ein tragbarer Sauerstoffkonzentrator verwendet werden.

Sauerstoffbehälter sollten stets gut verschlossen werden, wenn sie nicht in Gebrauch sind. Da Sauerstoff entzündlich ist und sogar explodieren kann, ist es zudem wichtig, dass der Tank von Zündquellen wie Streichhölzern, Heizgeräten und Haartrocknern ferngehalten wird. Niemand sollte im Haus rauchen, während Sauerstoff verwendet wird.

 

Sauerstoffverabreichung

Der Sauerstoff wird normalerweise über zwei Nasenschläuche (Nasenbrille) kontinuierlich verabreicht.  Die andere Möglichkeit ist Anwendung einer Sauerstoffmaske.

Darüber hinaus gibt es auch Sauerstoff-Sparsysteme/Demandsysteme für ausgewählte Patient*innen. Sie geben nur dann Sauerstoff ab, wenn dies vom Benutzer des Geräts ausgelöst wird (beispielsweise, wenn Patient*innen einatmen oder auf das Gerät drücken). Sie geben nicht fortlaufend Sauerstoff ab.

Eine Demandfähigkeit, d.h. ausreichende Sauerstoffsättigung unter Verwendung eines Demandsystems, muss vor der Verordnung getestet werden. Die Testung erfolgt in der Regel in einer Lungenklinik oder während eines Rehaaufenthaltes, manchmal auch in einer Lungenpraxis. Diese Systeme sind für schwer erkrankte Patient*innen nicht geeignet, weil es die Gefahr einer Unterversorgung besteht.

 

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