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Wenn man glaubt, dass der Kopf platzt

Jasmin Hess litt jahrelang unter massivem Schädeldruck und später auch Sehstörungen, bis die Diagnose „Pseudotumor Cerebri“ gestellt wurde – Im Klinikum Darmstadt wurde ihr mit einem minimalinvasiven Eingriff geholfen

„Mir platzt gleich der Kopf“, dieses Gefühl hatte Jasmin Hess aus Fischbachtal jahrelang, sobald sie sich körperlich anstrengte. „Selbst, wenn ich mich gebückt habe, war dieser Druck da.“ Seit ihrer Jugendzeit hat die heute 40 Jahre alte Frau Kopfschmerzen und Migräne. Später kam noch dieses Druckgefühl im Kopf dazu. „Ich habe das immer auf meine Kopfschmerzen geschoben“, erinnert sie sich.

Als im vergangenen Jahr dann schleichend Sehstörungen, Wortfindungs- und Konzentrationsschwierigkeiten hinzukamen, wuchs die Sorge. Doch die Suche nach der Ursache glich einer Odyssee: Mehrere Arztbesuche, Untersuchungen, Blutentnahmen; ein MRT zum Ausschluss von Multipler Sklerose blieb ohne richtungsweisenden Befund, die Beschwerden jedoch verschlimmerten sich dramatisch.

„Irgendwann hatte ich reale Angst, zu erblinden“, erinnert sich Hess. Letztendlich brachte ein Termin beim Augenarzt die lebensverändernde Erkenntnis. Die Diagnose: Pseudotumor Cerebri. Jasmin Hess wurde direkt ins Klinikum geschickt, wo u.a. eine Lumbalpunktion zur Druckminderung und ein erneutes MRT durchgeführt wurden.

Im Klinikum Darmstadt beschäftigt sich Prof. Dr. Marius Hartmann, Direktor des Instituts für Radiologie, Neuroradiologe und Nuklearmedizin, schon lange mit diesem oft lange nicht diagnostiziertem Krankheitsbild.  Lange Zeit galt der Begriff „Pseudotumor cerebri“ als medizinische Erklärung für bestimmte Formen von Kopfschmerzen, Sehstörungen und Druckgefühl im Kopf. Wörtlich übersetzt bedeutet er „falscher Hirntumor“. Doch mit einem Tumor hat die Erkrankung nichts zu tun. „Es handelt sich bei dieser Erkrankung um eine Abflussstörung des Blutes aus den großen venösen Blutleitern im Kopf“, erklärt der Mediziner, der bei Jasmin Hess die Stents gesetzt hat. „Durch die Ablaufstörung wird auch das Hirnnervenwasser schlechter abgeleitet, dadurch steigt der Druck im Schädelinneren und führt zu den typischen Beschwerden. In einem MRT werden die Engstellen erkannt und mit einem Stent aufgeweitet.“ Die Behandlung erfolgt in Vollnarkose mit geringen Risiken und hohem Therapieerfolg.

„Wir können mit Hilfe eines Stents die Erkrankung wirklich heilen und damit die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten deutlich verbessern“, sagt Prof. Hartmann. Für Jasmin Hess war der Erfolg unmittelbar spürbar. „Schon kurz nach dem Eingriff war der Druck weg. Es ist ein völlig neues Lebensgefühl.“ Heute stehen wieder Fahrradtouren und Wanderungen in den Bergen auf ihrem Programm – Aktivitäten, die jahrelang undenkbar waren.